Wenn dir das hier gefiel …
Der Erbe der Schatten
Key Facts
Kritik
Manchmal passiert es einem beim Lesen, dass man mit großen Erwartungen ins Buch startet – und dann irgendwie doch enttäuscht wird. So ging es mir mit „Der Erbe der Schatten“ von Robin Hobb. Die Geschichte nimmt Fahrt auf, als Fitz Chivalric nach einer herben Niederlage vor nichts zurückschreckt, um seinen Onkel vom Thron zu stoßen und zugleich den scheinbar totgeglaubten Prinzen Veritas findet. Klingt nach einer spannenden Rache- und Heldenreise, oder? Leider bleibt der Funke bei mir nicht so richtig übergesprungen.
Fitz ist der klassische Antiheld, mutig, verzweifelt und doch irgendwie festgefahren in alten Mustern. Und genau da liegt ein Problem: Seine Entwicklung fühlt sich an, als würde man eine Platte immer wieder neu auflegen, nur ohne frische Songs. Die anderen Figuren bleiben blass, fast schon Statisten-Dasein, und der große Konflikt wirkt eher klein und konstruiert. Robin Hobbs Schreibstil ist gewohnt flüssig und bildhaft, keine Frage – aber hier schafft sie es nicht, aus dem altbekannten Plot mehr herauszuholen.
Was mir besonders sauer aufgestoßen ist: Die Welt an sich wirkt halbgar. Es gibt so viel Potenzial, aber das Setting wird nur soweit ausgearbeitet, wie es unbedingt sein muss, ohne echte Tiefe zu entwickeln. Und dann diese wiederkehrenden Rettungen, die Fitz quasi durch Magie und Glück immer wieder aus der Klemme helfen. Das schluckt jede Spannung, weil man genau weiß, dass nichts wirklich schiefgehen kann.
Wenn du Robin Hobb Lieben bist und ihre früheren Werke schätzt, kann es trotzdem spannend sein, das Finale zu lesen – vor allem, wenn du wissen willst, wie Fitz’ Geschichte endet. Wer aber auf mitreißende Fantasyliteratur hofft, die neue Wege geht und Überraschungen bietet, der dürfte hier ernüchtert sein.
Kurz gesagt: „Der Erbe der Schatten“ ist eine enttäuschende Abschlussrunde, bei der einfach zu wenig passiert, um nachhaltig zu fesseln. 2 von 5 Sternen.
Klappentext
Fitz Chivalric hat versagt. Sein skrupelloser Onkel hat den Thron der sechs Provinzen an sich gerissen, und der wahre Herrscher, Prinz Veritas, gilt als tot. Fitz bleibt nur noch eines: Rache! Doch wie soll er bis zu dem Mann vordringen, der ihm alles genommen hat? Einem König, geschützt von Soldaten und Magie? Ohne Rücksicht auf sich selbst, treibt Fitz seine Pläne voran. Da erreicht ihn der Ruf eines Todgeglaubten – Prinz Veritas!
Dieses Buch ist bereits unter dem Titel "Die Magie des Assassinen" im Bastei-Lübbe Verlag erschienen und unter dem Titel "Der Nachtmagier" im Heyne Verlag.