Zwischen Leben und Tod
Key Facts
Kritik
Kaum eine Zeit wirkt so bedrückend und doch so lebendig wie das Hamburg kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in „Zwischen Leben und Tod“. Thomas Herzberg katapultiert uns in einen kalten Dezember 1946, wo Menschen zwischen den Trümmern ums Überleben kämpfen – und Verbrechen eine neue Brutstätte finden. Genau hier starten Kommissare Thiesen und Pfeiffer ihren verzweifelten Kampf. Schon der erste Eindruck: Diese Figuren sind keine abgehobenen Helden, sondern echte Menschen mit Ecken, Kanten und überraschendem Humor. Ihre teils bissigen Dialoge lockern die düstere Szenerie angenehm auf und geben der Geschichte viel Authentizität.
Der Plot bringt alte SS-Seilschaften ins Spiel, die sich nicht ausradieren lassen, und britische Besatzer, deren kaltes Auftreten einen zusätzlichen Druck erzeugt. Die Verbindung von persönlichem Überlebenskampf und politischem Kräftemessen macht das Buch spannend, ohne den Leser mit zu vielen Details zu erdrücken. Herzbergs Stil ist angenehm schnörkellos, trotzdem schafft er es, Atmosphäre und Emotionen sehr direkt rüberzubringen – das hat mich beim Lesen oft innehalten lassen.
Was mir besonders gefallen hat? Dieses ausgewogene Zusammenspiel von bitterem Ernst und kleinen, fast unerwarteten Momenten von Leichtigkeit. Man spürt, dass Herzberg seine Charaktere liebt und kennt – das macht das Buch deutlich mehr als eine reine Krimi-Story. Auf der Haben-Seite steht auch die lebendige Darstellung Hamburgs direkt nach Kriegsende: die kalte, zerstörte Stadt wird so realistisch beschrieben, dass man fast die Kälte auf der Haut spürt.
Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass die Handlung stellenweise etwas gemächlich voranschreitet und manche Nebenstränge kaum mehr als Beiwerk bleiben. Trotzdem stört das den Lesefluss nicht wirklich – es macht das Buch eher zum gemütlichen Begleiter an grauen Tagen als zum rasanten Thriller.
Fazit: „Zwischen Leben und Tod“ ist genau das richtige Buch für alle, die Lust auf atmosphärische, gut recherchierte Krimis mit starken Charakteren haben – ohne dabei auf ein paar humorvolle Spitzen und echte Lebensnähe verzichten zu wollen. Für mich klare 4 von 5 Sternen. Wer Geschichten liebt, die unter die Haut gehen und gleichzeitig unterhalten, sollte hier unbedingt reinschauen.
Klappentext
Währenddessen bekommen es die Kommissare Thiesen und Pfeiffer mit alten SS-Seilschaften zu tun, die selbst nach Kriegsende kaum etwas von ihrer Gefährlichkeit eingebüßt haben. Auch von den britischen Besatzern gibt es nur eisigen Gegenwind, der noch zunimmt, als bei einem Attentat ausgerechnet ein Thronfolger ums Leben kommt. Plötzlich beginnt auch für Thiesen und Pfeiffer ein Kampf um Leben und Tod ...