Wenn dir das hier gefiel …
Finsteres Kliff
Key Facts
Kritik
Es ist eine dieser Geschichten, die sofort ein Kopfkino starten – Sturm peitscht über die Insel, Nebel umhüllt das Kliff, und mitten drin: eine grausam inszenierte Leiche. Sabine Weiß katapultiert uns mit „Finsteres Kliff“ in den eisigen Februar auf Sylt, wo Liv Lammers und ihr Team von der Flensburger Mordkommission versuchen, einen düsteren Fall zu knacken. Ein Hobby-Archäologe, der Wikingerschätze sucht, wird zum Opfer, und die Ermittlungen wühlen tief in Geschichte und Gegenwart auf der Insel.
Liv ist dabei keine Superheldin, sondern eine bodenständige Ermittlerin mit Ecken und Kanten, die mir sympathisch war, weil sie nicht perfekt ins Klischee passt. Der Schreibstil von Weiß ist schnörkellos und direkt, das Tempo bleibt eine Weile solide, auch wenn man ab und zu das Gefühl hat, die Spannung könnte noch enger geschnürt werden. Gerade die Beschreibungen von Sturm und Kliff schaffen aber eine Atmosphäre, die richtig gut ins Blut geht.
Allerdings muss ich zugeben: Manchmal hat mich die Sprache eher kompliziert erwischt, gerade wenn es ums Ermittler-Drama ging – das zog sich ein bisschen wie Nebel über das Buch. Das hat das Lesen etwas zäher gemacht, was mich gehemmt hat, richtig tief einzutauchen. Außerdem hätte ich mir gewünscht, dass die Figuren mehr Tiefe bekommen – da blieb bei mir einiges an Potenzial ungenutzt.
Wer also Lust auf norddeutsche Krimi-Kost mit rauer Kulisse, einem Hauch von Historie und einem soliden Ermittlerteam hat, für den ist „Finsteres Kliff“ auf jeden Fall einen Blick wert. Fans von tiefgründigen Charakterlabyrinthen oder höchst innovativen Plotwendungen sollten eher vorsichtig sein – hier gibt es gute Unterhaltung, aber keine große Offenbarung.
Insgesamt solide, aber mit kleinen Schwächen, die man verschmerzen kann: 3 von 5 Sternen.