Nur einen Horizont entfernt
Key Facts
Kritik
Kaum schlägt man „Nur einen Horizont entfernt“ auf, spürt man sofort diese besondere Mischung aus Verletzlichkeit und Hoffnung, die einen nicht mehr loslässt. Lori Nelson Spielman nimmt einen mit auf eine Reise ins Herz einer Frau, die nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit sich selbst ins Reine kommen muss. Im Zentrum steht Hannah Farr, eine TV-Moderatorin, die einen Brief von einer ehemaligen Peinigerin erhält – und diese Bitte um Vergebung wird zum Auslöser, sich den längst vergraben geglaubten Wunden zu stellen.
Die Geschichte ist kein stumpfes „Alles wird gut“-Märchen, sondern ein fein gesponnenes Netz aus Gefühlen, das zeigt, wie schwer das Verzeihen manchmal sein kann und wie mutig es ist, sich alten Konflikten zu stellen. Hannah ist eine facettenreiche Figur, die keineswegs perfekt ist – gerade das macht sie so nahbar. Ihr Zwiespalt vor allem gegenüber ihrer Mutter wird so authentisch geschildert, dass man selbst beim Lesen spürt, wie nah der Schmerz und die Angst liegen. Dabei ist der Schreibstil von Spielman angenehm flüssig und ohne Schnörkel, was den emotionalen Kern der Geschichte super transportiert, ohne dass man sich durch endlose Beschreibungen kämpfen muss.
Klar, wer nach einem überbordenden Drama sucht, oder Spannung auf jeder Seite, könnte hier vielleicht eine Spur zu gemächlich unterwegs sein. Das Ende wirkte auf mich ein bisschen zu rund und brav, was ich schade fand, weil die Prämisse so viel Raum für mehr hätte – ein Punkt, den auch andere Leser:innen ähnlich sehen. Dennoch ist „Nur einen Horizont entfernt“ kein schwergewichtiges Werk, sondern genau die Art von Buch, das man entspannt aufschlägt und bei dem man merkt: Es bewegt was, ohne zu überfordern.
Wenn du auf Geschichten stehst, die dich emotional abholen, authentische Charaktere und eine Portion Lebenserfahrung bieten, dann ist dieses Buch definitiv einen Blick wert. Für alle, die mit der ersten Geschichte von Lori Nelson Spielman schon positive Erfahrungen gemacht haben, ist „Nur einen Horizont entfernt“ eine schöne Ergänzung – und alle, die nach einem berührenden Roman suchen, der Mut macht, werden sich hier gut aufgehoben fühlen.
4 von 5 Sternen – weil das Buch mehr als nur leichte Unterhaltung bietet, aber eben nicht jede Seite mit Spannung glänzt. Ein solid geschriebenes, warmherziges Leseerlebnis, das sich easy wegliest und lange nachklingt.
Klappentext
Mit zittrigen Fingern öffnet die TV-Moderatorin Hannah Farr einen Brief. Der Absender ist eine ehemalige Schulfreundin, die sie jahrelang gemobbt hat. Die Frau bittet sie nun um Vergebung. Dem Brief beigelegt sind zwei kleine runde Steine und eine Anleitung. Einen Stein soll sie als Zeichen dafür zurücksenden, dass sie ihrer früheren Klassenkameradin vergibt. Den anderen soll sie an jemanden schicken, den sie selbst um Verzeihung bitten möchte. Hannah weiß sofort, wer das sein könnte: ihre Mutter. Aber soll sie wirklich zurück zu den schmerzhaften Ereignissen von damals und die Auseinandersetzung mit dem Menschen suchen, der sie am besten kennt? Denn Hannah hat etwas getan, das das Leben ihrer Mutter für immer verändert hat…
Manchmal ist es etwas winzig Kleines, das uns Großes tun lässt.