Wenn dir das hier gefiel …
G. F. Unger 2375
Key Facts
Kritik
Schon die ersten Zeilen wecken dieses gewisse Gefühl von Verlorenheit und Einsamkeit, das einem so schnell nicht mehr loslässt. „G. F. Unger 2375“ schickt uns in einen tristen Regentag, der Waco Tunney begleitet – einen Mann, dessen Leben vom Bürgerkrieg und der bitteren Niederlage des Südens gezeichnet ist. Mehr als nur ein Western; hier bekommt man eine Geschichte, die von Schmerz, Verlust und der Suche nach einem Platz in einer zerfallenen Welt erzählt.
Waco Tunney ist kein Held im klassischen Sinn, eher ein Mensch, den das Leben schwer gebeutelt hat, und gerade das macht ihn so greifbar. Die Charakterzeichnung ist unkompliziert, aber treffend – man spürt seine Verzweiflung und seine Müdigkeit, ohne dass der Autor groß drumherumreden müsste. Der Schreibstil ist schnörkellos und direkt, perfekt, um die raue Stimmung einzufangen. Manchmal wünscht man sich vielleicht ein bisschen mehr atmosphärische Tiefe oder ein paar stärkere emotionale Spitzen, aber Unger bleibt seiner Linie treu – gerade das macht den Charme des Buches aus.
Klar, das Tempo ist eher gemächlich, und wer wilde Action oder spektakuläre Wendungen erwartet, könnte sich etwas langweilen. Aber genau diese Ruhe kommt der melancholischen Grundstimmung voll zugute. Die Welt um Waco wirkt leer und zerstört, und das ist hier nicht einfach Kulisse, sondern spürbar greifbar.
Für alle, die Western nicht nur als rasante Abenteuer, sondern als Stillleben eines untergegangenen Lebensgefühls lesen wollen, ist „G. F. Unger 2375“ genau richtig. Eine kleine, feine Geschichte, die mit nüchternem Blick und ehrlicher Stimme erzählt wird.
★★★★☆
Ein solider Western zum Nachdenken, der mit seiner ruhigen Erzählweise und einem Protagonisten, der echt wirkt, punktet – perfekt für laue Nachmittage auf dem Sofa.