Wenn dir das hier gefiel …
Home Before Dark
Key Facts
Kritik
Schon die ersten Seiten von „Home Before Dark“ ziehen dich tief in eine düstere, geheimnisvolle Atmosphäre, die so typisch isländisch und doch ganz eigen ist. Die Geschichte um Marsibil, die sich zehn Jahre nach dem rätselhaften Verschwinden ihrer Schwester Stina an die Schatten ihrer Vergangenheit wagt, fühlt sich an wie ein zartes Geflecht aus Schmerz, Angst und der verzweifelten Suche nach Wahrheit – und gleichzeitig wie ein spannender Thriller, der dich nicht mehr loslässt.
Eva Björg Ægisdóttir versteht es, ihre Figuren lebendig und glaubwürdig zu zeichnen. Marsibil ist keine unfehlbare Heldin mit Superkräften, sondern eine junge Frau, die mit sich selbst kämpft, deren Erinnerungen verschwimmen und die sich immer wieder fragt, was real und was Einbildung ist. Das macht den Roman besonders: Hier gibt es keine einfachen Antworten, stattdessen ein komplexes Psychogramm, das tief unter die Haut geht. Der Schreibstil ist schnörkellos, klar und dennoch atmosphärisch dicht – perfekt, um die kalte, geheimnisvolle Inselkulisse zu spüren und die unterschwellige Bedrohung greifbar zu machen.
Was mir wirklich gut gefallen hat, ist die gelungene Mischung aus Thriller und psychologischem Drama. Man fiebert mit Marsi, versucht selbst zu enträtseln, was damals wirklich passiert ist, und fühlt sich doch immer wieder auf’s Glatteis geführt. Einziger kleiner Wermutstropfen ist, dass manche Rückblenden sich ein wenig ziehen und stellenweise die Spannung kurz abbremsen – aber hey, wer hätte es nicht gern, wenn ein Buch manchmal einfach etwas kürzer wäre?
Wer auf mitreißende, psychologisch kluge Thriller steht, die einen schlaflose Nächte bereiten und gleichzeitig tief berühren, der greift hier ohne Zögern zu. „Home Before Dark“ ist nichts für schnelle Actionfans, aber ideal für alle, die das langsame, aber beängstigende Aufdecken dunkler Familiengeheimnisse lieben.
Fazit: Tiefgründig, packend und atmosphärisch stark – ein Thriller, der sich wohltuend abhebt. 4 von 5 Sternen.
Klappentext
Eine junge Frau versucht, im ländlichen Island das Verschwinden ihrer Schwester vor zehn Jahren aufzuklären. Doch immer wieder hat sie Mühe, Traum und Realität auseinanderzuhalten. Und sie hat Angst, dass sie die Nächste sein könnte.
November 1967: Die vierzehnjährige Marsibil hat einen heimlichen Brieffreund, der sich mit ihr treffen will. Sie verabredet sich mit ihm, ist aber nervös, denn sie hat sich als ihre ältere Schwester Stina ausgegeben, und am verabredeten Abend schafft sie es nicht zu dem Treffen. Dafür verschwindet ihre Schwester spurlos. Nur ihre blutbefleckte Anorakjacke wird an dem Ort gefunden, an dem Marsi sich mit ihrem Brieffreund verabredet hatte.
Zehn Jahre später bleibt Stinas Verschwinden weiterhin ungelöst. Marsi hat bisher aus Scham geschwiegen. Da erhält sie einen Brief – von ihrem ehemaligen Brieffreund. Jetzt muss sie die Wahrheit ans Licht bringen, auch wenn sie sich dabei nicht auf ihre eigenen Erinnerungen verlassen kann. Denn der Mörder ist immer noch auf freiem Fuß.