Inspektor Takeda und der leise Tod
Key Facts
Kritik
Wer auf Krimis steht, die nicht nur den Kopf fordern, sondern auch Herz und Atmosphäre mitliefern, sollte sich „Inspektor Takeda und der leise Tod“ unbedingt schnappen. Henrik Siebold entführt uns mitten in Hamburgs HafenCity, wo der Tod nicht nur laut, sondern auf irritierend stille Weise zuschlägt – genau wie der titelgebende „leise Tod“. Im Fokus steht Kenjiro Takeda, ein Inspektor aus Tokio, der sich mit dem norddeutschen Wetter genauso schwer tut wie mit den deutschen Umgangsformen. Das sorgt nicht nur für charmante Knoten im Miteinander, sondern auch für erfrischende Abwechslung im Ermittlungsalltag.
Im Zentrum der Geschichte steht die ungewöhnliche Partnerschaft zwischen Takeda und seiner Kollegin Claudia Harms. Während Takeda neben Jazz und Teezeremonien auch mit seinen eigenwilligen Methoden für Trommelwirbel sorgt, lässt Claudia ihn manchmal sehnsüchtig nach klaren Regeln greifen – und genau das macht das Duo so spannend. Siebold zeichnet seine Figuren mit feinen Strichen, die sowohl Tiefe als auch eine Prise Humor mitbringen. Die Plot-Wendungen sind clever, dabei lässt der Autor genug Raum für Detailverliebtheit, ohne den Leser zu überfrachten.
Das Verbrechen selbst ist ein richtig guter Cocktail aus Spannung und persönlicher Tragik: Ein bekannter Internetstar brutal getötet, viele Feinde, und eine Frau, die nicht nur wegen des Tatverdachts, sondern auch wegen ihrer geheimnisvollen Wirkung auf Takeda die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Keine Sorge, wer auf plakative Verdächtigungen hofft, wird hier freundlich ausgebremst – das ist ein smarter Thriller, der mit Vielschichtigkeit punktet.
Weniger glücklich war ich mit manchen kleinen Hänger im Erzähltempo. Die Szenen an sich sind gut, doch manchmal stolpert die Geschichte leicht, weil der Fokus zu sehr auf Ambivalenzen liegt – ja, das ist Jammern auf hohem Niveau, denn gerade diese Nuancen machen Takeda so liebenswert. Für ganz besonders Ungeduldige könnte das etwas bremsend wirken.
Kurzum: Wer Lust auf einen Krimi mit internationalem Flair, unverbrauchten Charakteren und einem Hauch melancholischen Jazz-Feelings hat, wird hier bestens bedient. „Inspektor Takeda und der leise Tod“ macht neugierig auf mehr von Henrik Siebold – ein echter Geheimtipp für alle, die gern mitdenken, mitfühlen und gelegentlich auch schmunzeln wollen.
4,5 von 5 Sternen – weil ein bisschen gedrosseltes Tempo den guten Gesamteindruck kaum schmälert. Wer sich darauf einlässt, erlebt einen Krimi, der anders tickt und lange nachhallt.
Klappentext
Kenjiro Takeda, eigentlich Inspektor der Mordkommission in Tokio, fremdelt immer noch ein wenig – mit dem Wetter in Hamburg und den deutschen Umgangsformen. Seine Kollegin Claudia Harms teilt keineswegs seine Vorliebe für Jazz und Teezeremonien, aber beide sind hervorragende Ermittler. Als ein gefeierter Star der Internetszene tot aufgefunden wird, sind sie besonders gefordert: Markus Sassnitz wurde nicht nur überfahren, sondern auch noch erstickt. Er hatte offenbar viele Feinde, doch ein Person gerät sofort ins Visier der Fahndung: seine Ehefrau. Sie übt allerdings auf Takeda eine besondere Faszination aus ...
Ein japanischer Ermittler in Hamburg – er liebt amerikanischen Jazz, europäische Frauen und arbeitet mit ganz eigenen Methoden.