Wenn dir das hier gefiel …
Fremde Tochter
Key Facts
Kritik
Man taucht ein in diese Geschichte mit dem Gefühl, als würde man selbst an der zerklüfteten korsischen Küste stehen – rau, geheimnisvoll und voller unausgesprochener Worte. Michel Bussi zieht einen mit „Fremde Tochter“ unmittelbar hinein in den Schatten eines Familienunglücks, das sich tief in die Vergangenheit gräbt und die Gegenwart hartnäckig verfolgt.
Die Handlung ist so packend wie einfach: 1989 überlebt Clothilde als Einzige einen verheerenden Autounfall, bei dem ihre Familie ums Leben kommt. Jahre später kehrt sie mit ihrer Tochter zurück nach Korsika und wird von einem geheimnisvollen Brief auf eine Spur gesetzt, die sie direkt in die Abgründe ihrer eigenen Geschichte führt. Dabei trifft man auf vielschichtige Figuren, die alle ihre Geheimnisse hüten – und das macht das Ganze so spannend: Hier wird nicht einfach ein Verbrechen aufgeklärt, hier werden Familienbande, Schuld und Vergangenheitsbewältigung erforscht.
Clothilde als Protagonistin ist keine perfekte Heldin, sondern eine Frau, die mit ihrem Trauma ringt – das macht sie nahbar und authentisch. Bussi schreibt dabei mit einem angenehm flüssigen Stil, der weder zu dick aufträgt noch langweilt. Seine Beschreibungen von Korsika sind atmosphärisch, ohne dabei ins Klischeehafte abzurutschen. Man spürt die Hitze, hört das Meer rauschen und riecht fast das Pinienharz.
Was mich besonders gefesselt hat, ist die Balance zwischen spannender Krimihandlung und emotionaler Tiefe. Manchmal hätte ich mir ein bisschen mehr Tempo gewünscht, denn an manchen Stellen zieht sich die Geschichte etwas – aber das stört den Lesefluss nicht groß, weil die Figuren und die Atmosphäre das locker wettmachen.
Wer also Lust auf einen spannenden Psychothriller mit familiären Abgründen und einer Prise Inselflair hat, ist hier genau richtig. „Fremde Tochter“ ist kein Buch, das die Welt neu erfindet, aber es erzählt seine Geschichte auf eine sehr menschliche und mitreißende Weise.
Kurzum: Ein solides Lesevergnügen mit kleinen Schwächen, das Lust macht, in eine dunkle Familiengeschichte einzutauchen. Deshalb gibt’s von mir 4 von 5 Sternen.
Klappentext
27 Jahre später wagt Clothilde es, gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Tochter nach Korsika zurückzukehren. Dann erhält sie einen Brief, den nur eine Person geschrieben haben kann: ihre Mutter. Wer außer ihr wusste noch von den Ereignissen des Unglückssommers?
Auf ihrer Suche nach der Wahrheit erfährt Clothilde von Geheimnissen, die manche der Inselbewohner lieber im Verborgenen wüssten. Und plötzlich gerät ihre Familie erneut in Gefahr ...
„Die Geschichte eines tragischen Sommers. Absolut empfehlenswert.“ Marie Claire.