Weit weg und ganz nah
Key Facts
Kritik
Manchmal sind es gerade die scheinbar einfachen Geschichten, die unter der Oberfläche richtig viel Herz zeigen – „Weit weg und ganz nah“ von Jojo Moyes gehört definitiv dazu. Die Story startet mit einer Frau, die in einer echt verzwickten Lage steckt: Alleinerziehend, knapp bei Kasse und mit einer Tochter, deren Zukunft plötzlich an einem seidenen Faden hängt. Und dann taucht einfach so ein Bündel Geldscheine auf – nur leider ist das eben nicht ihr Geld. Klingt nach einer moralischen Zwickmühle, und ja, genau das ist es auch.
Die Figuren sind keineswegs perfekt, sondern machen das Buch nahbar und lebendig. Die Protagonistin nimmt einen mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt, und der Mann, dem das Geld gehört, ist kein eindimensionaler Held, sondern jemand, der mit seinen eigenen Problemen kämpft. Jojo Moyes gelingt das Kunststück, diese Gegensätze nicht als Klischees darzustellen, sondern mit viel Wärme, Humor und einer Prise Sarkasmus zu erzählen. Man fühlt sich sofort mittendrin, auch wenn das Grundgerüst natürlich nicht vor Überraschungen strotzt. Aber hey, manchmal will man genau das: Eine gut erzählte Geschichte, bei der man sich fallen lassen kann.
Der Schreibstil ist locker und flüssig, perfekt für ein entspanntes Leseerlebnis, das mehr Transportmittel als Denksportaufgabe sein will. Allerdings merkt man auch, dass Moyes gern auf bewährte Muster setzt – manche Entwicklungen liest man schon recht früh zwischen den Zeilen. Wer also auf der Suche nach tiefer Innovation oder völlig unvorhersehbaren Wendungen ist, könnte hier mit einem kleinen Stirnrunzeln dabei sein.
Mich hat vor allem die emotionale Tiefe gepackt, ohne dass das Buch ins Kitschige abdriftet. Die Mischung aus alltäglichem Chaos, Familie, Hoffnung und Liebe funktioniert ganz wunderbar. Vor allem die Balance zwischen ernsten Themen und humorvollen Momenten macht die Lektüre kurzweilig – nicht zu schwer, aber eben auch nicht seicht.
Kritisch gesehen: Die Vorhersehbarkeit trübt den Spaß ein wenig, und wer Moyes kennt, weiß, dass alle ihre Bücher irgendwie ähneln – das ist Geschmackssache, aber durchaus ein Aspekt, den man bedenken sollte.
Am Ende bleibt „Weit weg und ganz nah“ ein warmherziger Roman, der genau richtig ist, wenn man Lust auf eine mitfühlende, emotional runde Geschichte hat, die trotzdem nicht die klassischen Romantik-Klischees runterbetet. Für alle, die sich gern auf Gegensätze und kleine Abenteuer mit Herz einlassen wollen, ist dieses Buch eine klare Empfehlung.
Sterne: 4 von 5 – locker überzeugend, mit kleinen Schwächen, die aber nicht stören.
Klappentext
Einmal angenommen, dein Mann hat sich aus dem Staub gemacht. Du schaffst es kaum, deine Familie über Wasser zu halten. Deine hochbegabte Tochter bekommt eine einmalige Chance. Und du bist zu arm, um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Plötzlich liegt da ein Bündel Geldscheine. Du weißt, dass es falsch ist. Aber auf einen Schlag wäre dein Leben so viel einfacher …
Und einmal angenommen, du strandest mitten in der Nacht mit deinen Kindern am Straßenrand – und genau der Mann, dem das Geld gehört, bietet an, euch mitzunehmen. Würdest du einsteigen? Würdest du ihm irgendwann während eures verrückten Roadtrips gestehen, was du getan hast?
Und kann das gut gehen, wenn du dich ausgerechnet in diesen Mann verliebst?
Ein warmherziger Roman darüber, was entstehen kann, wenn man Gegensätze überwindet - und darüber, dass wir gemeinsam stärker sind als allein.