Wenn dir das hier gefiel …
G. F. Unger 2368
Key Facts
Kritik
Manchmal sind es genau diese staubigen, abgenutzten Western, die einen unvermittelt fesseln und mitten reinziehen in eine Welt voller Dreck, Kälte und doch so viel Herz. „G. F. Unger 2368“ ist so ein Buch, das dich nicht mit literarischen Helden und blumigen Beschreibungen überfrachtet, sondern mit der rohen Realität zweier Brüder konfrontiert, die nach dem Krieg mehr verloren als gewonnen haben.
Jim und Noel McCrea, zwei Männer, deren Lebenslinien durch blutige Schlachten und entbehrungsreiche Tage verwoben sind, ziehen zwanzig Tage lang durch die karge Landschaft – müde, hungrig und mit nichts als den Erinnerungen an eine bessere Zeit im Gepäck. Ihre Pferde sind ausgelaugt, die Campingausrüstung dürftig, und die Heimat, so wie sie sie kannten, liegt in Trümmern. G. F. Unger schafft es hier, einen dichten Western zu zeichnen, der ohne viel Schnickschnack auskommt, aber gerade deshalb so greifbar und ehrlich wirkt.
Die Charaktere sind keine übermenschlichen Helden, sondern einfache Männer, deren Unterschiedlichkeit die Beziehung zwischen ihnen lebendig macht – und die stolz grauen Augen sind wie ein stummer Beweis ihres gemeinsamen Schicksals. Der nüchterne, fast schon lakonische Schreibstil tut sein Übriges, um die schwere Atmosphäre einzufangen. Besonders gut gefallen hat mir, wie die Zwischentöne der Brüderbeziehung spürbar werden, ohne dass viel gesagt werden muss. Man fühlt die Bitterkeit, die Erschöpfung, aber auch diesen leisen Hoffnungsschimmer, der durch die Zeilen schimmert. Hier wächst keine Hollywood-Romantik, sondern echtes Western-Feeling – mit all seinen Ecken und Kanten.
Klar, wer auf temporeiche Ballereien oder tiefschürfende psychologische Abgründe hofft, könnte an „G. F. Unger 2368“ etwas zu wenig Action finden. Es ist eben mehr eine Wanderung durch die Seele zweier Männer als ein adrenalingetriebener Ritt durch die Prärie. Und auch die Dialoge sind manchmal so knapp gehalten, dass man kurz hinhören muss, um wirklich alles aufzusaugen.
Wer sich aber gern auf eine atmosphärisch dichte Geschichte einlässt, die weniger glänzt als eher staubt, in der die Stille und der Schmerz zwischen den Zeilen mitschwingen, der sollte „G. F. Unger 2368“ unbedingt eine Chance geben. Western pur, ehrlich und ohne Schnörkel.
Ganz klar: 4 von 5 Sternen. Ein solider Western, der nicht jedem gefallen wird, aber genau deshalb seine Fans verdient.