Commissaire Cluzet und der tödliche Calvados - Commissaire Cluzet, Teil 2 (Ungekürzt)
Kritik
Kaum hatte ich die ersten Seiten von „Commissaire Cluzet und der tödliche Calvados“ auf mich wirken lassen, war ich sofort mittendrin in einem Dorfleben, das auf den ersten Blick so friedlich wirkt – bis ein tödlicher Vorfall die Idylle zerreißt. Alexandre Dupont zieht uns in die normannische Provinz, wo Apfelbäume nicht nur Obst, sondern auch allerlei Geheimnisse tragen.
Die Geschichte dreht sich um den prestigeträchtigen Wettbewerb des besten Calvados – einem Apfelbrand, der hier wirklich Kultstatus genießt. Cluzets Freund Bruno, der nebenbei ein ziemlich verschwörerisches Versteck unter einer Kapelle für seinen Schwarzbrand betreibt, wird ausgeraubt. Dass der Commissaire sich da nicht zurückhalten kann, wissen wir spätestens nach dem ersten Kapitel. Doch bald wird aus Diebesjagd ein Mordfall, und Polizistin Sandrine bringt neue Dynamik in das Dorfpolizei-Fach, das von einem etwas übellaunigen Major Melki geleitet wird. Spannend, wie sich hier die kleinen Dorfstrukturen mit großer Kriminalität vermischen, ohne in Klischees zu versinken.
Cluzet ist angenehm vielschichtig – der ehemalige Pariser Großstadtpolizist, der sich in der ländlichen Normandie eingerichtet hat, wirkt authentisch und sympathisch; ein Mann, der in seinem Ruhestand einfach nicht zur Ruhe kommen kann. Sandrine als starke, kompetente Gegenfigur sorgt für gute Dynamik. Was mir besonders gut gefiel, war Duponts Erzählstil: locker, mit einem feinen Augenzwinkern, aber ohne den nötigen Ernst zu verlieren. Die Beschreibungen von Landschaft, Dorfleben und natürlich von Calvados bringen ein lebendiges Flair ins Hörbuch.
Kritisch gesehen gibt’s kleinere Längen zwischendurch, vor allem wenn der Fokus zu sehr auf Details des Calvados-Wettbewerbs liegt, die manchmal den Erzählfluss etwas bremsen. Auch hätte ich mir bei der Auflösung des Falls ein bisschen mehr Raffinesse gewünscht – nicht alles war ganz so überraschend, wie erhofft. Aber hey, das schmälert den Spaß kaum.
Wer einen unkomplizierten, aber dennoch spannenden Krimi mit viel Lokalkolorit, sympathischen Figuren und einer Prise Humor sucht, der ist hier genau richtig. Für alle, die Lust haben, mal in eine französische Provinzgeschichte abzutauchen, die mehr ist als nur ein klassischer Whodunit.
Insgesamt ein charmanter Krimi-Soundtrack für gemütliche Lesestunden oder lange Fahrten – von mir gibt’s solide 4 von 5 Sternen.