Die Stadt der Träumenden Bücher
Kritik
Manchmal trifft ein Buch einen einfach mitten ins Leserherz – so ging es mir mit „Die Stadt der Träumenden Bücher“. Von der ersten Seite an zieht Walter Moers dich in eine Welt, in der Bücher nicht nur gelesen, sondern beinahe wie Lebewesen verehrt und gefürchtet werden. Hier lebt der junge Dichter Hildegunst von Mythenmetz, der sich auf eine abenteuerliche Reise in die geheimnisvolle Stadt Buchhaim begibt, um das Rätsel eines mysteriösen Manuskripts zu lösen. Klingt gut? Ist es auch!
Die Handlung ist eine knallbunte Mischung aus Fantasy, literarischem Rätselspaß und einer richtig guten Portion Humor. Moers’ Erzählweise ist herrlich verspielt, dabei aber nie überladen – man merkt, dass der Autor Bücher und ihre Welt liebt. Hildegunst ist ein sympathischer Held, dem man gern auf Schritt und Tritt folgt, während er sich durch Labyrinthe aus Büchern, skurrile Charaktere und gefährliche Situationen kämpft. Gerade die skurrilen Nebenfiguren sorgen für ordentlich Stimmung und sorgen regelmäßig für Schmunzeln oder ein „Was zur Hölle?!“.
Was mir besonders gefallen hat, ist, dass Moers nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern gleich eine ganze Welt zum Leben erweckt. Buchhaim ist wild, chaotisch und verzaubernd zugleich – ein Traum für alle, die Bücher in jeglicher Form lieben. Der Sprachwitz ist intelligent, trotzdem locker genug, um auch weniger literarisch Geübte nicht abzuschrecken. Einzig die vielen Details und Zwischenschlenker können manchmal überfordern, vor allem wenn man zwischendurch mal eintauchen, aber nicht komplett abtauchen will.
Kritik? Klar, man sollte keine ultra-ernste Fantasy erwarten, sondern Spaß an literarischer Absurdität und einem Hauch Selbstironie mitbringen. Für Freunde von schnellem Leserhythmus ist das Buch eher etwas sperrig, aber genau das macht es ja auch so besonders.
Insgesamt ist „Die Stadt der Träumenden Bücher“ ein absolutes Muss für alle, die sich von einer magischen Buchwelt verzaubern lassen wollen – ein grandioses Leseabenteuer, das sich vom Allerlei abhebt. Für alle Fantasie- und Bücherfans gibt’s hier definitiv ein Sternchen oben drauf.
Bewertung: 4 von 5 Sternen – Ein fantastisches Fest für Leseratten, das nebenbei zeigt, wie großartig Buchliebe sein kann.
Klappentext
Das Manuskript eines unbekannten Autors treibt den jungen Dichter Hildegunst von Mythenmetz nach Buchhaim. Wenn er dem Geheimnis des Verfassers irgendwo auf die Spur kommen kann, dann hier in den labyrinthischen Katakomben dieser buchverrückten Stadt. Der Geruch von Druckerschwärze durchzieht die Straßen, Bibliothek reiht sich an Bibliothek. Belesene Buchlinge und Bücherjäger stürzen sich auf alles, was Buchstaben hat. Als Mythenmetz nach unzähligen Abenteuern den Schattenkönig von Buchhaim trifft, scheint er am Ziel ...
Produktion: Hessischer Rundfunk 2005
Ungekürzte Lesung mit Dirk Bach
17h 31min