Die Chemie des Todes - David Hunter, Band 1 (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Kaum hat man „Die Chemie des Todes“ auf den Ohren, sitzt man mit David Hunter quasi mitten im düsteren Devonshire und spürt förmlich die kalte, feuchte Luft des Tatorts. Dieser Thriller zieht sofort in seinen Bann – nicht nur, weil Simon Beckett mit feiner Feder das grausige Puzzle um eine mutmaßlich gefolterte Tote zusammensetzt, sondern auch, weil der Erzähler Johannes Steck eine Atmosphäre schafft, die unter die Haut geht.
Im Zentrum steht Dr. David Hunter, ein ehemaliger Rechtsmediziner, der sich ausgerechnet in einem verschlafenen Dorf wiederfindet, wo mehr als nur die Toten ihre Geheimnisse bergen. Beckett mixt hier souverän forensisches Wissen mit einer Prise Mystery und einer ordentlichen Portion Dorfleben, das von Misstrauen und fanatischem Eifer durchzogen ist. Hunter ist kein heldenhafter Superman, sondern ein narbengesichtiger Outsider, dessen stiller Ermittlercharme genau richtig gesetzt ist – man will einfach wissen, wie er den Fall löst.
Der Schreibstil ist schnörkellos, bildgewaltig und trotzdem sehr zugänglich. Man bekommt nicht nur die Leichenzerfall-Details vielleicht etwas zu anschaulich präsentiert, aber hey, bei einem forensischen Thriller erwarte ich genau das – kein Kuschelkrimi, sondern ein intensives Kopfkino. Johannes Stecks Lesung rundet das Gesamtpaket ab: Er gibt jeder Figur die passende Stimme und hält spannungsgeladen das Tempo hoch, ohne hektisch zu wirken.
Klar, manchmal zieht sich die Szenerie ein bisschen, vor allem wenn sich Dorfmentalitäten breitmachen – aber das gehört ja irgendwie dazu und unterstreicht die beklemmende Stimmung. Wer hier aber auf explosive Action hofft, könnte enttäuscht sein; „Die Chemie des Todes“ ist eher ein klug konstruierter Thriller mit bedrückender Atmosphäre als ein reines Spannungsspektakel.
Fazit: Wer Lust auf einen intelligenten, tiefgründigen Thriller mit starken Charakteren und einem Hauch Grusel hat, ist hier goldrichtig. Beckett begeistert mit seiner Mischung aus Wissenschaft, Spürsinn und einem düsteren Dorf, das zum Verhängnis wird. Für Fans von Krimis mit Seele und einer Prise Ekel eine echte Empfehlung.
4 von 5 Sternen – packend, etwas rau, aber absolut hörenswert!