Wenn dir das hier gefiel …
Die Familie sehen und sterben
Key Facts
Kritik
Schon beim ersten Schritt in Toni Riveras „Die Familie sehen und sterben“ geht einem sofort die emotionale Nähe und der feine Spannungsbogen ins Herz – und genau das macht das Buch so fesselnd. Die Geschichte rund um Capitano Enzo Rossi, der ausgerechnet in seiner Heimat Tessin einem düsteren Doppelunfall auf den Grund gehen soll, zieht einen mit einer Mischung aus Mittelmeerflair und feinem Familiendrama in ihren Bann.
Worum es genau geht? Zwei Todesfälle, die alles andere als Zufälle sind, ein undurchsichtiger Bruder mit dunklen Geschäften und eine taffe Assistentin namens Gemma, die Rossi mit klarem Kopf auf Trab hält. Unterstützung trifft auf altbewährte Improvisation – und daraus entsteht ein Krimi, der nicht nur wegen seines Settings und der Atmosphäre besticht, sondern vor allem durch die Figuren. Enzo Rossi ist kein typischer, glattgepolsterter Ermittler, eher ein sympathisch „verrosteter“ Charakter, der nach Jahren des Ruhemodus wieder ins kalte Wasser geworfen wird.
Der Schreibstil von Rivera fühlt sich an, als würde man neben dem Capitano am Lago sitzen und gemeinsam das Rätsel knacken – locker, direkt und manchmal überraschend witzig, aber nie zu albern. Besonders gelungen fand ich, wie die Autorin Spannung und Familienthemen miteinander verwebt, ohne zu überfrachtet zu wirken. Man spürt förmlich, wie schwer es Rossi fällt, Loyalität zur Familie mit der Wahrheit zu vereinbaren. Das macht ihn menschlich und nahbar.
Ein kleiner Wermutstropfen: Manchmal hätte ich mir an einigen Stellen noch mehr Tempo und Tiefgang gewünscht – etwa bei den Nebenfiguren oder den Hintergründen der Verstrickungen, die schon recht komplex sind und einen zweiten Blick verdienen. Ein bisschen mehr „Killer-Instinkt“ im Handlungsablauf hätte dem Plot noch den letzten Schliff gegeben, aber das schmälert den Lesespaß nur minimal.
Kurz gesagt: Wer Lust auf einen atmosphärisch dichten Krimi mit viel Herz, würzigem Tessin-Flair und einem Ermittler hat, der nicht unbedingt der Superman unter den Polizisten ist, der liegt mit „Die Familie sehen und sterben“ genau richtig. Perfekt für gemütliche Abende auf der Couch, wenn man sich in eine packende Story fallen lassen möchte, die sowohl Spannung als auch Gefühl bietet.
Meine Sternebewertung: 4 von 5 – klare Leseempfehlung für alle, die gern Krimis mit Seele lesen!
Klappentext
Zwei Unfalltote, bei denen etwas nicht stimmt. Ein mächtiger Bruder, der undurchsichtige Geschäfte betreibt. Eine ehrgeizige Assistentin, die ihn einschüchtert. Und ein ungesühntes Verbrechen, das noch immer nach Rache verlangt. – Willkommen in der Welt von Capitano Rossi! Willkommen am Fuße des Monte Brè!
Als seine Assistentin, Ispettrice Gemma Crivelli, ihm den Polizeicode für »Mord« gleich zweimal simst, glaubt Capitano Enzo Rossi zuerst, sie habe sich vertippt. Die Zeiten, in denen es im Tessiner Süden etwas zu ermitteln gab, liegen lange zurück. Doch Crivelli hat recht: Zwei unklare Todesfälle innerhalb weniger Stunden! Rossi beginnt zu ermitteln, zugegeben etwas eingerostet und mit einem ausgeprägten Hang zur Improvisation. Als die erste echte Spur auftaucht, verschlägt es ihm den Atem: Seine eigene Familie scheint in die Fälle involviert zu sein. Für Rossi beginnt ein gefährliches Spiel um Loyalität, Verrat und Familienbande …