Wir Freitagsmänner - Wer wird denn gleich alt werden? (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Es gibt Bücher, die einem sofort ins Herz kriechen – „Wir Freitagsmänner - Wer wird denn gleich alt werden?“ von Hans-Gerd Raeth gehört definitiv dazu. Die Geschichte um Henri, der mit Mitte Lebensmitte plötzlich feststellt, dass sein Leben eher chaotisch als geordnet verläuft, fühlt sich so nah an, dass man fast den Kaffee neben sich vergisst. Stell dir vor, du bist ein Freitag in einer einzigen Woche namens Leben – und genau da steht Henri, irgendwo zwischen vergangenen Beziehungen, einer Midlife-Crisis und einem unfreiwilligen Schub an Erkenntnissen.
Henri ist ein Typ, der weder perfekt noch superheldenhaft daherkommt, sondern einfach echt, verletzlich und in seinem ganz eigenen Chaos gefangen. Seine Begegnungen mit Emily, seiner Coach, die ganz andere Prioritäten hat, bringen Schwung in die Geschichte und wirken gleichzeitig so charmant ehrlich, dass man lächelnd mitfiebert. Hans-Gerd Raeth schafft es, mit unwiderstehlichem Humor und viel Feingefühl das Thema Alter und Lebenswandel aufzugreifen, ohne es in Kitsch oder Selbstmitleid zu verlieren. Der Schreibstil ist locker, flüssig und vermittelt das Gefühl, einem guten Freund zuzuhören, der unverblümt von seinen Baustellen erzählt.
Was mir besonders gut gefallen hat: Die Balance zwischen ernsten Momenten und der herrlich leichten, manchmal sogar ironischen Erzählweise. Das nimmt der durchaus ernsten Thematik die Schwere und macht es zum kurzweiligen, nachhaltigen Erlebnis. Nur ganz gelegentlich schleicht sich für mich der Eindruck ein, dass manche Situationen etwas zu sehr auf der Stelle treten – das hätte der Erzählfluss ein wenig knackiger machen können.
Kurzum: Wer Lust auf eine ungekünstelte, warmherzige Geschichte hat, die verrät, dass auch mitten im Leben noch jede Menge Überraschungen, Chancen und Humor stecken, ist hier genau richtig. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und ging mit einem Lächeln zurück in den Alltag.
4 von 5 Sternen – eine sympathisch-authentische Lesung über das Motto: alt werden? Lieber nicht ohne ein bisschen Freitagsgefühl.