Wenn dir das hier gefiel …
Das Gehöft
Key Facts
Kritik
Ich war sofort drin in dieser Geschichte, die mit einem idyllisch anmutenden Gehöft auf einer abgelegenen Hallig beginnt – und dann ziemlich schnell ganz schön beklemmend wird. „Das Gehöft“ wirft dich mitten rein in die Welt von Lara und ihrem Team, die auf Westeroog ein ökologisches Projekt starten wollen, nur um schon bald festzustellen, dass der vermeintliche Rückzugsort alles andere als sicher ist. Was anfängt wie ein ruhiger Neustart, dreht sich rasch in ein spannungsgeladenes, fast schon klaustrophobisches Psychodrama.
Lara als Hauptfigur ist großartig: eine bodenständige Biologin, die auf der Suche nach Kontrolle in einem unkontrollierbaren Szenario steckt. Ihr Ringen mit dem Verschwinden ihres Bruders und das Misstrauen gegenüber Henry bringen die Story glaubwürdig und greifbar zum Kochen. Man will ständig wissen, was hinter all den merkwürdigen Vorfällen steckt – und dabei erlebt man, wie das Leben auf der Hallig nicht nur landschaftlich, sondern auch emotional rau ist.
Was Leo Brandt hier abliefert, ist kein typischer Thriller mit durchgehender Action, sondern eher ein langsamer, stimmiger Aufbau, der sich wie ein Knoten aus Geheimnissen und psychologischer Spannung entfaltet. Der Nordsee-Sturm als Kulisse bringt zusätzlich diese unheimliche, fast schon bedrohliche Atmosphäre, die einen auch nach dem Lesen noch umtreibt. Der Schreibstil ist dabei flüssig, knapp und präzise – kein Schnickschnack, keine großen Wortwolken, sondern genau die richtige Portion Details, um die Stimmung zu transportieren und die Charaktere fühlbar zu machen.
Kleiner Kritikpunkt: Manche Stellen ziehen sich minimal in die Länge und die immer wiederkehrenden Zweifel an Henry machen die Sache manchmal fast zu offensichtlich. Da hätte ich mir etwas mehr überraschende Wendungen gewünscht, um den Nervenkitzel noch ein Stück weiter nach oben zu schrauben. Aber hey, das tut dem Lesevergnügen kaum Abbruch, vor allem, wenn du Lust auf eine atmosphärische Geschichte hast, die sich Zeit nimmt, um ihre Schatten zu entfalten.
Kurz gesagt: Wenn du Lust hast auf einen psychologischen Spannungsroman, der dich mitnimmt auf eine einsame Insel, wo die Natur ebenso unbarmherzig ist wie die Geheimnisse der Menschen, dann ist „Das Gehöft“ definitiv dein Buch. Hier trifft man auf eine starke Protagonistin, eine beklemmende Stimmung und eine Geschichte, die einen stückweise vereinnahmt – und so manchen kalten Schauer hinterlässt.
Am Ende gebe ich 4 von 5 Sternen. Ein starker, atmosphärischer Thriller mit kleinen Schwächen, der aber gerade durch seine Intensität und das Nordsee-Setting besticht. Wer es lieber actionlastiger mag, wird vielleicht weniger glücklich – alle anderen können sich hier wunderbar reinziehen lassen.
Klappentext
Ein kleines Team um die Biologin Lara hat ein Gehöft auf der menschenleeren Hallig Westeroog gekauft, um es ökologisch zu bewirtschaften. Doch bald nach der Ankunft geschehen seltsame Dinge. Laras Bruder Malte verschwindet spurlos, kurz darauf reißt die Funkverbindung ab. Die Gruppe ist von der Außenwelt abgeschnitten; ein Entkommen ist wegen der gefährlichen Strömung in einem Priel unmöglich. Lara ist sich sicher, dass sie nicht allein auf der Insel sind. Zugleich verdichten sich Hinweise, dass ihr Lebensgefährte Henry etwas mit dem Verschwinden von Malte zu tun hat. Werden sie von einem Unbekannten verfolgt oder besitzt Henry eine dunkle, gewalttätige Seite? Als eine weitere Person verschwindet, eskaliert die Situation ...
Ein außergewöhnliches Setting in der Nordsee: Die sturmumtoste Hallig macht jedes Entkommen unmöglich