Scones zum Frühstück
Kritik
Manchmal braucht es nur ein paar Scones zum Frühstück, um das Herz wieder ins Gleichgewicht zu bringen – genau dieses Gefühl vermittelt Alexandra Zöbelis Roman auf wunderbar leichte und doch berührende Weise. Die Geschichte um Max, den Spitzenkoch mit Herzinfarkt und Liebeskummer, schlägt zum Glück nicht in das übliche Klischee eines rührseligen Neustarts um, sondern bleibt frisch, charmant und mit einer Prise Humor gewürzt.
Max’ Wandel vom Sterneküchen-Gott zum Koch inmitten skeptischer Teenager auf der wilden Isle of Skye ist herrlich nachvollziehbar erzählt. Man merkt sofort: Hier geht es nicht nur um gutes Essen, sondern um das Recht auf eine zweite Chance – im Leben und in der Liebe. Robyn, die geheimnisvolle Vermieterin, sorgt mit ihrer verschlossenen Art für ein kleines Rätsel, das sich langsam wie ein appetitlicher Kuchen entfaltet. Ich mochte ihre leisen, fast melancholischen Momente sehr, die der Geschichte Tiefe verleihen, ohne zu schwer zu wirken.
Zöbelis Schreibstil ist herrlich unkompliziert, lebendig und lebensecht – genau richtig, um bei einer Tasse Tee (und ja, vielleicht mit einem Scone dazu) einfach abzutauchen. Die Dialoge sitzen, die Beschreibungen der schottischen Landschaft haben eine angenehme Rauheit, die perfekt zur Stimmung passt. Man fühlt sich fast selbst auf der Insel.
Ein kleiner Wermutstropfen: Manchmal hätte ich mir einen etwas knackigeren Erzählrhythmus gewünscht, denn gerade im Mittelteil zieht sich die Geschichte gelegentlich ein wenig. Aber das schmälert das Lesevergnügen kaum, denn die Figuren tragen das Buch mit so viel Wärme und Charakter.
Wer Lust auf eine leise, herzerwärmende Geschichte über Neuanfänge, Freundschaft und natürlich gutes Essen hat – und dabei nicht in Kitsch versinken will – der ist mit „Scones zum Frühstück“ bestens beraten. Ein Buch, das man am liebsten mit einem guten Frühstück lesen möchte. Ich vergebe solide 4 von 5 Sternen.