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Autor:
Erschienen:
2023-07-27
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Schönwald (Ungekürzt)

Kritik

Manchmal kommt ein Buch daher, das einem beim Lesen das Gefühl gibt, man sitzt fast selbst am Familientisch – mit all dem unausgesprochenen Ballast und den kleinen, zerbrechlichen Momenten. „Schönwald (Ungekürzt)“ von Philipp Oehmke ist so ein Roman: eine behutsame, aber intensive Erkundung zweier Generationen, die durch ein tief verwurzeltes Trauma verbunden sind, und einer Familie, in der Liebe und Verschwiegenheit oft eng beieinanderliegen.

Im Zentrum stehen Ruth und Harry Schönwald – zwei Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen zum Leben und der Kommunikation ihrer Gefühle. Während Harry sich Schwierigkeiten ausredet, ist Ruth viel mehr die stille Kämpferin, die aus Rücksicht und Pflichtbewusstsein ihren eigenen Weg hinten anstellt. Diese Dynamik bekommt besonders dann Tiefe, wenn sich ihre erwachsenen Kinder um einen queeren Buchladen in Berlin versammeln, was den alten Konflikt aufbricht und zeigt, wie sehr alte Wunden nachhallen können.

Oehmkes Schreibe ist angenehm klar und dabei doch emotional aufgeladen. Kein poetisches Beiwerk, sondern Geschichten und Charaktere, die man fast greifen kann. Besonders gefallen hat mir, wie authentisch die Figuren wirken – mit all ihren Widersprüchen und Verletzlichkeiten. Die Perspektiven wechseln so, dass man immer wieder neue Facetten entdeckt, ohne den roten Faden zu verlieren. Manchmal hätte der Roman für meinen Geschmack ein bisschen flotter sein können; an manchen Stellen zogen sich die Passagen etwas zu sehr, was das Lesetempo etwas ausbremste.

Wer Lust auf eine Familiengeschichte hat, die nicht kitschig oder überdramatisch daherkommt, sondern mit leisen Tönen und einem ganz eigenen Rhythmus erzählt wird, ist hier richtig. Ganz besonders Lesende, die sich für Themen wie queere Identitäten, familiäre Erwartungen und das Ringen um eigene Lebensentwürfe interessieren, finden hier eine berührende Erzählung, die noch lange nachwirkt.

Ein solides, nachdenkliches Buch, das zeigt, wie komplex Familienbande sein können – und wie schwer es manchmal ist, aus altem Schatten herauszutreten. Insgesamt gebe ich 4 von 5 Sternen. Perfekt, wenn man bereit ist für Literatur, die unter die Haut geht, ohne gleich die volle Dramatik auszupacken.

Klappentext

Eine Familie, zwei Generationen und ein tiefes Trauma, das sie miteinander verbindet: Anders als Harry findet Ruth Schönwald nicht, dass jedes Gefühl artikuliert, jedes Problem thematisiert werden muss. Sie hätte Karriere machen können, verzichtete aber wegen der Kinder und zugunsten von Harry. Was sie an jenem Abend auf einem Ball ineinander gesehen haben, ist in den kommenden Jahrzehnten nicht immer beiden klar. Inzwischen sind ihre drei Kinder Chris, Karolin und Benni erwachsen. Als Karolin einen queeren Buchladen eröffnet, kommen alle in Berlin zusammen, selbst Chris, der Professor in New York ist und damit das, was Ruth sich immer erträumte. Dort bricht der alte Konflikt endgültig auf.

FAQ

Eine Familie, zwei Generationen und ein tiefes Trauma, das sie miteinander verbindet: Anders als Harry findet Ruth Schönwald nicht, dass jedes Gefühl artikuliert, jedes Problem thematisiert werden muss. Sie hätte Karriere machen können, verzichtete aber wegen der Kinder und zugunsten von Harry.…

Besonders gefallen hat mir, wie authentisch die Figuren wirken – mit all ihren Widersprüchen und Verletzlichkeiten. Die Perspektiven wechseln so, dass man immer wieder neue Facetten entdeckt, ohne den roten Faden zu verlieren.

Wenn du Lust auf einen spannenden Page‑Turner hast, ist das ein guter Start.

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