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Strandgut
Key Facts
Kritik
Manchmal stolpert man über ein Buch, das einen sofort mitten ins Geschehen zieht – bei „Strandgut“ hat mich der ungewöhnliche Tatort in einem Nudistencamp sofort gepackt. Euronat, Europas größtes FKK-Paradies, ist nämlich alles andere als ein gewöhnlicher Schauplatz für einen Mordfall. Genau dort wird ein junger Politiker tot aufgefunden, und schon beginnt ein spannendes Krimidrama, das weit mehr als nur einen simplen Whodunit bietet.
Was man bekommt, ist nicht nur ein clever gestrickter Krimi, sondern auch ein feines Psychogramm einer eingeschworenen Gemeinschaft, die um ihren Freiraum kämpft. Kommissar Luc Verlain agiert hier in einer Umgebung, die weder für ihn noch für die Leser:innen alltäglich ist – das macht den Fall besonders frisch und bringt eine gewisse Leichtigkeit ins sonst eher düstere Genre. Luc ist sympathisch bodenständig mit einer Prise „Mann von Welt“, ohne in Klischees abzurutschen. Seine Beobachtungen und manchmal sarkastischen Einwürfe bringen Tempo und Charme ins Buch.
Alexander Oetker schreibt so, dass man sich die salzige Meeresluft förmlich auf der Haut spüren kann – die Beschreibung des Camps und der Menschen darin wirkt lebendig, aber nie übertrieben. Der Spannungsbogen hält gut, auch wenn man für den Fall an sich nicht durchgehend auf der Kante des Sitzes hängt. Ein kleiner Wermutstropfen: Manchmal hatte ich das Gefühl, der politische Hintergrund und die Charakterzeichnungen nehmen zu viel Raum ein, sodass die eigentliche Ermittlungsarbeit etwas zurücktritt. Wäre da ein bisschen mehr Action und weniger Hintergrundwissen, könnte das Buch noch ein bisschen flotter lesen.
Kurzum: Wer Lust auf einen Krimi hat, der jenseits von düsteren Großstadtszenarien spielt und dabei das besondere Flair eines außergewöhnlichen Settings mit politischem Tiefgang verbindet, wird mit „Strandgut“ definitiv glücklich. Für entspannte und dennoch kluge Unterhaltung an einem Nachmittag am Strand oder Sofa ist das ein perfektes Buch.
4 von 5 Sternen – charmant, anders und mit genug Ecken und Kanten, um nicht langweilig zu werden.