Vergiftetes Erbe - Ein Fall für Tiberio Tanner, Band 4 (Ungekürzt)
Kritik
Kaum hatte ich „Vergiftetes Erbe“ aufgeschlagen, spürte ich sofort dieses angenehme Kribbeln, das nur ein richtig cleverer Krimi hervorrufen kann. Tiberio Tanner, unser unkonventioneller Ermittler mit einer Schwäche für guten Wein statt starre Regeln, entführt uns mitten in die malerische, aber auch rauchige Atmosphäre Südtirols – und genau das macht diesen vierten Fall so sympathisch und lebendig.
Die Geschichte startet ganz entspannt mit Tiberios Plan, den Frühling zu genießen. Doch dann stolpern er und Paula im Keller des geerbten Hauses über eine ermordete Mieterin. Von da an zieht sich ein dichter Nebel aus Geheimnissen, alten Familienstreitigkeiten und gefährlichem Glaubenseifer durch die Handlung. Die Ermittlungen von Commissario De Santis sind clever und vielschichtig, während Tiberio eher mit Instinkt und Charme brilliert. Ich mochte vor allem, wie schnell einem die Figuren ans Herz wachsen – nicht perfekt, eher menschlich mit all ihren Ecken und Kanten, was die Spannung umso greifbarer macht.
Was Max Oban hier abliefert, ist kein hochtrabender Krimi, sondern ein rundum stimmiger Mix aus Lokalkolorit, spannender Story und einer Prise Humor. Der Erzählstil ist locker, flüssig und bringt Schnoddrigkeit und Schlauheit genau richtig zusammen, sodass man einfach mitfiebert. Dennoch hätte ich mir stellenweise etwas mehr Tempo gewünscht – der Mittelteil zieht sich gelegentlich ein bisschen, ohne den Spannungsbogen wirklich zu zerschießen.
Kurz gesagt: Wer Lust auf einen Krimi hat, der mit viel Atmosphäre, authentischen Charakteren und einem Hauch mediterranem Lebensgefühl punktet, ist hier genau richtig. Perfekt für gemütliche Abende, wenn man eine spannende, aber nicht zu düstere Geschichte sucht.
4 von 5 Sternen – ein Vergnügen für alle, die Krimi mit Herz, Witz und südlicher Würze mögen!