Unheilvolles Lançon
Kritik
Kaum hat man die erste Seite von „Unheilvolles Lançon“ aufgeschlagen, spürt man sofort die schwüle Hitze der Provence und diese spannende Mischung aus Schönheit und Bedrohung, die sich durch den ganzen Roman zieht. Cay Rademacher bringt uns in den elften Fall von Capitaine Roger Blanc auf das luxuriöse Weingut Château Richelme, wo alles von außen so idyllisch wirkt – bis plötzlich eine Kameradrohne eine leblose Frau in der Garrigue filmt. Doch bevor man überhaupt richtig mitfiebern kann, ist sie wieder verschwunden. Huch, so fühlt sich echtes Krimi-Kino an: Spannung, die sich leise einschleicht und dann richtig Fahrt aufnimmt.
Die Handlung dreht sich um eine Vielzahl von Figuren, die alle ihre kleinen und großen Geheimnisse hüten: ein berühmter Winzer im Sterben, eine machthungrige Winzerin, ein zorniger Sohn, ein Rivale und ein paar Mitarbeiter mit ihren eigenen Sorgen. Capitaine Blanc stellt sich bei all dem Gerangel die Frage, wer wirklich bereit ist, über Leichen zu gehen. Die Charaktere sind alles andere als eindimensional; sie sind facettenreich und sorgen dafür, dass man als Leser*in ständig über Motivationen rätselt und mitfiebert.
Was mir besonders gefällt, ist Rademachers feiner Sinn für Atmosphäre und sein unaufdringlicher, dabei sehr präziser Schreibstil. Er setzt auf klare, lebendige Sprache ohne viel Schnickschnack – perfekt, um das Provence-Feeling einzufangen und dabei die Spannung nicht aus den Augen zu verlieren. Dass jeder Band der Serie eigenständig gelesen werden kann, macht den Einstieg auch für Neueinsteiger wunderbar unkompliziert.
Einziger kleiner Kritikpunkt: An manchen Stellen hätte ich mir noch einen Tick mehr Tempo gewünscht, denn die vielen Figuren und ihre Geheimnisse brauchen etwas Eingewöhnungszeit. Aber wer sich darauf einlässt, wird mit einem clever konstruierten Krimi belohnt, der vom ersten bis zum letzten Kapitel im Kopf bleibt.
Kurz gesagt: Wer Lust auf einen atmosphärischen Krimi mit viel Provence-Charme, einem sympathischen Ermittler und einem Plot voller Intrigen hat, sollte hier unbedingt zugreifen. „Unheilvolles Lançon“ ist spannender Lesestoff für laue Frühlings- oder Sommerabende – nicht zu schwer, aber mit ordentlich Tiefgang.
★★★★☆ (4 von 5 Sternen) – ein gelungener Krimi, der Lust macht auf mehr von Capitaine Blanc.