Der Pub der guten Hoffnung (Ungekürzt)
Kritik
Manchmal entdeckt man ein Buch, das einen ganz unvermittelt in den Bann zieht, und „Der Pub der guten Hoffnung“ von Alexandra Zöbeli gehört definitiv dazu. Schon die erste Seite hat mich mitten ins ländliche Wales versetzt, in ein kleines Dorf, das mit all seinen skurrilen Gestalten und dem gemütlichen Pub eine Art Zuflucht bietet – genau wie für die Hauptfigur Sam.
Im Zentrum steht Sam, der nach dem furchtbaren Verlust seines Sohnes zunächst getrennte Wege mit seiner Frau Hannah geht. Als die Beziehung auf der Kippe steht, flieht Sam in das Cottage eines Freundes, um Abstand zu gewinnen. Der kleine Pub „Zur guten Hoffnung“ wird zur Oase, an der Sam Schritt für Schritt neue Lebensfreude schöpft – nicht zuletzt dank der liebenswerten Hope, die als Dorfgesicht schnell zur wichtigen Begleiterin wird. Die Geschichte ist wenig überraschend, aber gerade deshalb so angenehm nachvollziehbar und herzlich erzählt. Der Umgang mit Trauer, Verlust und der Suche nach einem Neuanfang wird hier sensibel und ehrlich dargestellt, ohne ins Kitschige abzurutschen.
Alexandra Zöbelis Schreibstil ist dabei unkompliziert und angenehm flüssig, eher locker als literarisch anspruchsvoll, was der emotionalen Zugänglichkeit sehr zuträglich ist. Man spürt die Liebe zu den Figuren, die authentisch und vielschichtig wirken – vor allem Sam und Hope sind mir ans Herz gewachsen. Ein bisschen hätte ich mir gelegentlich mehr Tiefe in der Charakterentwicklung gewünscht, manchmal wirkte es etwas zu vorhersehbar oder „zu nett“. Aber das schmälert den Lesegenuss kaum, wenn man sich auf die sanfte Stimmung und das zwischenmenschliche Miteinander einlässt.
Kritisch anmerken muss ich, dass der Konflikt mit Hannah und die Entscheidung, die Sam treffen muss, für meinen Geschmack ein wenig zu kurz kommen bzw. etwas zu schnell abgehandelt werden. Da wäre mehr Raum für innere Auseinandersetzungen schön gewesen, um das Ganze noch glaubwürdiger zu machen. Trotzdem – das Buch ist eine wunderbar leichte, aber dennoch berührende Geschichte, die Spaß macht und auch nachdenkliche Momente bereithält.
Wer auf herzliche Geschichten steht, die das Leben mit all seinen Schattenseiten nicht beschönigen, dabei aber Hoffnung und Wärme vermitteln, der ist hier richtig. Ideal für alle, die sich gerne in Geschichten über second chances, kleine Dörfer und menschliche Verbindungen verlieren. Für alle anderen, die ausschließlich Action oder tiefen Spannungskrimi suchen, ist es wahrscheinlich weniger geeignet.
Fazit: Ein Wohlfühl-Roman mit Tiefgang, der berührt und mit einem charmanten Ambiente aufwartet – perfekt für entspannte Stunden und schöne Lesemomente. 4 von 5 Sternen.