Wenn dir das hier gefiel …
Trügerisches La Rochelle
Key Facts
Kritik
Manchmal reicht eine frische Brise an der Küste, um sofort in eine Geschichte hineingesogen zu werden – genau das ist mir mit „Trügerisches La Rochelle“ passiert. Jean-Claude Vinet entführt uns direkt an den Hafen von La Rochelle, wo sich unter strahlendem Sonnenschein ein düsteres Rätsel entfaltet. Commissaire Chevalier steckt mitten in einem äußert ungewöhnlichen Fall: Ein tödlicher Unfall auf einem Windpark-Schiff, das von einer verschworenen, misstrauischen Crew bevölkert ist. Was nach einem tragischen Unglück klingt, entwickelt sich schnell zu einem clever konstruierten Mordfall, bei dem jede noch so kleine Geheimniskrämerei den Ermittlungen im Weg steht.
Chevalier als Protagonist ist ein sympathischer Typ – bodenständig und charmant, aber auch mit einem scharfen Verstand ausgestattet. Man spürt die Nähe zur Region und den rauen Alltag der Menschen, die an der Atlantikküste ihr Leben bestreiten. Vinet schreibt angenehm flüssig und sparsam, ohne zu viel drumherum zu gießen, was dem Tempo des Buches enorm zugutekommt. Die Atmosphäre auf dem Schiff und das stürmische Wetter setzen den perfekten Rahmen für ein spannendes Whodunit, das einem bis zur letzten Seite den Puls hochhält.
Was mir besonders gefallen hat, ist die stimmige Mischung aus maritimer Idylle und dunkler Spannung – das macht das Lesen zum echten Vergnügen. Ein kleiner Kritikpunkt: Die Eingangssequenz erstickt fast ein bisschen in Routine-Dialogen, die hätten ruhig knackiger ausfallen können. Außerdem hätte ich mir an manchen Stellen noch etwas mehr Tiefe in der Figurenzeichnung gewünscht, gerade bei der Crew an Bord.
Alles in allem ein solider Krimi mit Atmosphäre und einem sympathischen Ermittler, der Lust auf mehr aus dieser Ecke macht. Perfekt für alle, die gerne mal Krimi-Urlaub am Meer machen wollen, ohne gleich selbst nass zu werden.
3,5 von 5 Sternen – wer maritime Spannung mag und Lust auf einen gut erzählten, aber nicht zu schweren Fall hat, der ist hier genau richtig.