Ostseesterben - Der Bastard
Kritik
Kaum hat man sich an die friedliche Inselidylle von Poel gewöhnt, da wird einem mit „Ostseesterben - Der Bastard“ schnell klar: Hier ist nichts so harmlos, wie es scheint. Ulrich Hefner zieht seine Leser:innen tief hinein in eine düstere Atmosphäre, in der hinter jeder Düne ein Geheimnis lauert – und das Grauen nie schläft.
Die Handlung setzt mit einem brutalen Mord ein, bei dem ein kaltblütiger Killer, der sich selbst „der Bastard“ nennt, seine Opfer auf grausame Weise zur Strecke bringt. Doch statt nur blutige Spuren zu hinterlassen, sucht der Täter auch den Kontakt zur Presse – das lässt sofort aufhorchen und macht neugierig, wie das Spiel zwischen Polizei und Täter weitergeht. Profiler Vito Falk wird ins kalte Wasser geworfen und steht schnell vor einem undurchsichtigen Netz aus Lügen, lang gehegten Feindschaften und einem düsteren Geheimnis, das tief in die Geschichte der Insel eingreift. Man merkt sofort, wie sorgfältig Hefner die Spannung aufbaut und immer wieder das Gefühl von Bedrohung verstärkt.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Figur des Vito Falk: kein makelloser Held, sondern ein Profi mit Ecken und Kanten, der sich charmant und unaufgeregt durch den Fall kämpft. Sein Blick hinter die Fassaden der Inselbewohner macht das Ganze sehr authentisch und menschlich. Und der Schreibstil? Klar, präzise und mit genau dem richtigen Tempo – kein Buch, das sich zu ernst nimmt, aber auch keines, das den Thrill vermissen lässt. Die Kombination aus spannender Krimihandlung und dem Setting an der Ostsee macht das Lesen zu einem echten Vergnügen.
Ein kleiner Wermutstropfen: Manches Mal hätte ich mir ein paar frischere Überraschungsmomente gewünscht, da einige Wendungen sich etwas vorhersehbar anfühlen. Außerdem könnten die Nebencharaktere noch etwas tiefer ausgearbeitet sein, um das Geflecht noch dichter zu machen.
Aber hey, wer auf atmosphärische, packende Ostsee-Krimis steht, die ohne großes Tamtam direkt zur Sache kommen, der findet in „Ostseesterben - Der Bastard“ genau das Richtige. Ein starker Auftakt, der Lust auf mehr macht.
4 von 5 Sternen – atmosphärisch dicht, gut strukturiert und spannend, aber mit ein bisschen Luft nach oben bei der Figurenzeichnung. Definitiv ein Buch für Thrillerfans, die Lust auf raues Nordflair und nervenzerreißenden Nervenkitzel haben.