Sprengstoff
Kritik
Manchmal braucht es genau diese Art von Geschichte, um einen mitten ins Herz kleiner amerikanischer Welten zu katapultieren – „Sprengstoff“ schafft das auf beeindruckende Weise. Es geht um Barton Dawes, der sich mit allen Mitteln gegen den Bau eines Highways wehrt, der sein Zuhause und seinen Lebensstil bedroht. Setzt man sich in die 1970er, mitten in eine Energiekrise, fühlt man förmlich, wie sich die Spannung zwischen Fortschritt und Tradition, zwischen Zorn und Verzweiflung auflädt.
Die Figuren sind schon allein durch ihre Tiefe und Authentizität ein Grund, dran zu bleiben. Barton Dawes ist kein heldenhafter Supermann, sondern ein ganz normaler Mann, der aus Liebe zu seinem Zuhause und seiner Überzeugung handelt. King zeigt hier, wie dünn manchmal die Linie zwischen Verzweiflung und Wahnsinn ist. Besonders spannend ist, wie die Geschichte tatsächlich zeigt, was passiert, wenn man den Konflikt eskalieren lässt – mit allen Konsequenzen. Nora Jensens Übersetzung hält die rohe Energie des Originals wunderbar lebendig und transportiert die Stimmung perfekt ins Deutsche.
Der Schreibstil ist typisch King: präzise, mit einem gewissen scharfen Blick fürs Detail, aber auch so mitreißend, dass man gar nicht anders kann, als das Hörbuch weiterzuhören. Einzig das Tempo ist stellenweise etwas gemächlich, was manche vielleicht als zäh empfinden könnten, aber für mich war das eher die Atmosphäre, die so perfekt eingefangen wurde.
Wenn ihr Lust auf eine intensive, immer mal wieder nervenzehrende Geschichte habt, die nicht mit lauten Effekten arbeitet, sondern mit ganz viel Bodenständigkeit und Herz, dann ist „Sprengstoff“ genau euer Ding. Es fühlt sich ein bisschen an wie ein gesellschaftlicher Mini-Thriller, der auch Jahrzehnte später nichts von seiner Kraft verloren hat.
4 von 5 Sternen – ein Klassiker, der auch heute noch zu fesseln weiß, wenn man bereit ist, sich auf die ruhige, aber verdammt eindrucksvolle Art der Erzählung einzulassen.
Klappentext
Smalltown, USA, 1973: die erste Energiekrise. Aber der neue Highway soll trotzdem gebaut werden. Und die Planierraupe nähert sich unaufhaltsam dem Haus, in dem Barton Dawes seit 20 Jahren lebt. Ist es da ein Wunder, dass Dawes alles tut, um das zu verhindern?