Wenn dir das hier gefiel …
Alle Toten fliegen hoch
Key Facts
Kritik
# „Alle Toten fliegen hoch“ von Joachim Meyerhoff – Der perfekte Mix aus Humor, Herz und Höhenflug
Wer schon mal das Gefühl hatte, zwischen zwei Welten zu pendeln – staubige Kleinstadt gegen laute Metropole, vertraute Heimat gegen das Fremde – der wird bei „Alle Toten fliegen hoch“ sofort abgeholt. Joachim Meyerhoff erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der sich aufmacht, als Austauschschüler in den USA Fuß zu fassen, und dabei nicht nur mit anderen Kulturen, sondern vor allem auch mit sich selbst konfrontiert wird. Klingt vielleicht erst mal nach typischem Coming-of-Age-Stoff, doch Meyerhoff schafft es, genau das Klischeehafte frisch und überraschend lebendig zu präsentieren.
Unser Ich-Erzähler ist sympathisch in seiner Mischung aus naivem Ehrgeiz, Verlorenheit und einer großen Portion Humor – man kann sich so gut in ihn hineinversetzen, dass man förmlich mit ihm zusammen durch die Prärie von Wyoming spaziert oder bei nervösen Auswahlgesprächen in Hamburg auf die richtige Antwort lauert. Neben der Handlung begeistern vor allem die feinen Zwischentöne, die Meyerhoff mit seinem unaufdringlichen, leichtfüßigen Stil einfängt: Das Buch liest sich trotz der teilweise ernsten Themen – Verlust, Heimweh, Identitätsfragen – erstaunlich leicht und spritzig. Da gibt es plötzlich Momente, bei denen man schmunzelt, mitten drin eine Gänsehaut bekommt und dann wieder total berührt ist.
Was ich richtig toll fand: Die Charaktere wirken nie überzeichnet oder platt, sie sind skurril, liebenswert, manchmal chaotisch – ganz wie echte Menschen eben. Und auch die Darstellung der amerikanischen Kleinstadt ist so karg und gleichzeitig lebendig, dass man fast selbst spürt, wie der Wind über die Rocky Mountains zieht.
Ehrlich gesagt, der einzige kleine Wermutstropfen war, dass die erzählerische Ruhe und die vielen Details zwischendurch schon mal das Tempo rausnehmen. Das kann Lesefans, die auf schnelle Action setzen, vielleicht etwas ausbremsen. Aber für alle, die Geschichten gern richtig „atmen“ lassen, ist das eher ein Plus als ein Minus.
Also, wenn du Lust hast auf eine Geschichte, die dich mitnimmt, ohne dich zu überfordern, die dich zum Lachen und Nachdenken bringt und dabei den Mut feiert, immer wieder neu zu beginnen – dann schnapp dir „Alle Toten fliegen hoch“. Für mich ein absolutes Highlight und definitiv ein Buch, das im Regal bleiben wird.
Mein Fazit: Liebenswerte Figuren, ein mitreißender Mix aus Leichtigkeit und Tiefgang und ein Erzählstil, der charmant um den Alltag tanzt. Klare Empfehlung!
⭐⭐⭐⭐⭐ (5/5 Sterne)
Klappentext
Von der ersten Seite an folgt der Leser gebannt Meyerhoffs jugendlichem Helden, der sich aufmacht, einen der begehrten Plätze in einer amerikanischen Gastfamilie zu ergattern. Aber schon beim Auswahlgespräch in Hamburg werden ihm die Unterschiede zu den weltläufigen Großstadt-Jugendlichen schmerzlich bewusst. Konsequent gibt er sich im alles entscheidenden Fragebogen als genügsamer, naturbegeisterter und streng religiöser Kleinstädter aus – und findet sich bald darauf in Laramie, Wyoming, wieder, mit Blick auf die Prärie, Pferde und die Rocky Mountains.
Der drohende Kulturschock bleibt erst mal aus, der Stundenplan ist abwechslungsreich, die Basketballsaison steht bevor, doch dann reißt ein Anruf aus der Heimat ihn wieder zurück in seine Familie nach Norddeutschland – und in eine Trauer, der er nur mit einem erneuten Aufbruch nach Amerika begegnen kann.
Mit diesem hochgelobten Debüt eröffnet Joachim Meyerhoff eine große Romanreihe.