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Erschienen:
2024-09-12
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Der Zauberberg

Kritik

Manchmal stolpert man über ein Buch, das einem erst auf den zweiten Blick so richtig ans Herz wächst – so ging es mir mit „Der Zauberberg“. Was zunächst wie ein langweiliger Sanatoriumsaufenthalt wirkt, entpuppt sich als faszinierende Reise in die Köpfe der Patienten, die ebenso viel über das Europa vor dem Ersten Weltkrieg erzählen wie über den Menschen an sich.

Die Geschichte folgt Hans Castorp, der eigentlich nur für drei Wochen zu Verwandten nach Davos kommen will – und plötzlich sieben Jahre auf der magischen, aber auch seltsam entrückten Bergwelt verbringt. Zwischen politischen Debatten, philosophischen Exkursen und der ständigen Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod drängt sich die Zeit metaphorisch in den Vordergrund. Hans als Charakter ist dabei keine Rakete, sondern eher ein sympathischer Beobachter, der sich im Spannungsfeld der verschiedenen Welten langsam selbst findet.

Thomas Manns Stil ist klar, gewandt und manchmal von einem Ernst, der einen fast unter Druck setzt – ja, das Buch verlangt Konzentration, gerade weil viele Passagen fast essayhaft wirken. Trotzdem wird es nie trocken, weil die Dialoge lebendig bleiben und der Autor so gekonnt mit einer feinen Portion Humor durch die Tiefen der Gedankenwelten führt. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Gespräche reißen einen etwas mit, manchmal aber auch, man möchte einfach mal mehr Tempo.

Das ist aber auch der Knackpunkt: „Der Zauberberg“ ist keine schnelle Lektüre. Wer nichts für philosophisch dicht gewobene Geschichten übrig hat oder schnelle Action sucht, wird hier schwer reinfinden. Aber wer Lust hat, sich Zeit zu nehmen und dabei Themen wie Zeit, Krankheit, Gesellschaft und den individuellen Sinn des Lebens zu erforschen, wird belohnt. Die Charaktere sind besonders, weil sie keine eindeutigen Helden sind, sondern Spiegel ihrer Zeit und ihrer Ideen.

Kurz gesagt: Wer Freude an anspruchsvoller Literatur und gedanklicher Tiefe hat, findet hier ein echtes Meisterwerk, das man nicht mal eben so wegliest, aber lange im Kopf behält. Für alle anderen kann der Zauberberg wohl schnell zum zähen Brocken werden.

4 von 5 Sternen – ein intellektuelles Abenteuer, das den Alltag auf den Kopf stellt, aber eben auch etwas Geduld verlangt.

Klappentext

Ein kurzer Besuch in einem Davoser Sanatorium wird für den jungen Ingenieur Hans Castorp zu einem siebenjährigen Aufenthalt, der Kurort wird zur Bühne für die europäische Befindlichkeit vor dem Ersten Weltkrieg. Fern von der erdrückenden Realität drehen sich die Gespräche unter den Patienten um Politik, Philosophie, Liebe, Krankheit und Tod. Im Juli 1913 begonnen, während des Krieges durch essayistische Arbeiten unterbrochen, konnte der Roman 1924 abgeschlossen und veröffentlicht werden.

FAQ

Ein kurzer Besuch in einem Davoser Sanatorium wird für den jungen Ingenieur Hans Castorp zu einem siebenjährigen Aufenthalt, der Kurort wird zur Bühne für die europäische Befindlichkeit vor dem Ersten Weltkrieg. Fern von der erdrückenden Realität drehen sich die Gespräche unter den Patienten um Politik, Philosophie, Liebe, Krankheit und Tod.…

Wenn du Lust auf einen spannenden Page‑Turner hast, ist das ein guter Start.

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