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Schuld und Sühne
Key Facts
Kritik
Kaum hat man die ersten Seiten von „Schuld und Sühne“ aufgeschlagen, spürt man diese düstere, drückende Atmosphäre Sankt Petersburgs fast wie einen Schatten, der sich langsam ums Herz legt. Es ist kein leichter Einstieg, aber genau das macht den Reiz aus – diese Geschichte zwickt und bohrt tief, lässt einen nicht mehr los.
Im Zentrum steht Raskolnikow, ein junger Jurastudent, der fest davon überzeugt ist, über den üblichen moralischen Gesetzen zu stehen. Sein Plan: Er begeht einen Mord, weil er denkt, so etwas sei „erlaubt“, wenn es einem höheren Ziel dient. Was dann folgt, ist ein psychologischer Thriller, der mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt. Raskolnikow ist dabei nicht nur Täter, sondern auch Opfer seiner inneren Dämonen, was ihn extrem vielschichtig und faszinierend macht.
Dostojewski schreibt mit einer Intensität, die einen regelrecht mitten ins Geschehen katapultiert, ohne dabei zu überfordern. Die Sprache ist dabei erstaunlich klar und zugänglich, trotz des Tiefgangs. Besonders gut gefallen hat mir, wie der Autor die Zerrissenheit seines Protagonisten spürbar macht – man leidet, zweifelt und hofft zusammen mit ihm. Die Nebenfiguren sind dabei keineswegs schmückendes Beiwerk, sondern Wochenend-Überraschungen in Sachen Komplexität und Authentizität.
Ein kleiner Kritikpunkt wäre, dass das Buch stellenweise etwas langatmig wirkt – manche inneren Monologe fordern definitiv Durchhaltevermögen. Aber genau diese Passagen tragen auch dazu bei, die psychologische Tiefe herauszuschälen. Man muss sich also ein bisschen auf das Tempo einstellen.
Für alle, die sich gerne auf ein intensives Seelendrama einlassen, das keine einfachen Antworten liefert, ist „Schuld und Sühne“ ein absolutes Muss. Dieses Buch fordert heraus, bietet aber auch so viel Stoff zum Nachdenken, dass man danach mit einem vollkommen anderen Blick aus dem Fenster schaut.
4,5 von 5 Sternen – ein Klassiker, der definitiv noch heute relevant ist und berührt.
Klappentext
Sankt Petersburg Mitte des 20. Jahrhunderts: Der intelligente, aber arme Jura-Student Raskolnikow sieht sich selbst als "außergewöhnlichen Menschen", der sich nur einer höheren, abstrakten Macht verantwortlich fühlt. Um sich und der Welt diese Besonderheit zu beweisen, plant er einen perfekten, einen "erlaubten" Mord an der Pfandleiherin Iwanowna, in der er das Übel der Welt vertreten sieht. Raskolnikow gleitet in die Katastrophe, denn er ist nicht der Übermensch ohne Gewissen, für den er sich gehalten hat.
Eines der wichtigsten Werke russischer Literatur. Mit einem Vorwort zu Autor und Werk.