Alt genug
Kritik
Schon in den ersten Minuten von „Alt genug“ spürt man: Hier spricht jemand, der das Leben nicht nur kennt, sondern ihm mit all seinen Ecken und Kanten ganz offen begegnet. Ildikó von Kürthy nimmt uns mit auf eine Reise durch die wilde Mitte des Lebens – nicht als Drama, sondern mit einer ehrlichen, humorvollen und manchmal auch nachdenklichen Stimme, die direkt ins Herz trifft.
Im Kern geht es um das Ankommen in einem Alter, in dem man endlich alt genug ist – für bequeme Entscheidungen, für klare Wahrheiten und eben auch für die Freiheit, mal nein zu sagen. Kürthy erzählt von großen Momenten und kleinen Niederlagen: ihrem Mut, vom Aufbruch als Topmodel, vom Abschiednehmen und vom Selbstfinden an ganz unerwarteten Orten. Dabei wird schnell klar, dass es hier weniger um eine klassische Lebensgeschichte geht, sondern um ein ehrliches Bekenntnis zur Lebensmitte – mit all den Zweifeln, Ängsten, aber eben auch mit der kraftvollen Erkenntnis, dass man nie allein ist.
Die Hauptfigur, sprich die Stimme von Ildikó selbst, wirkt wahnsinnig nahbar. Sie verliert nie die Leichtigkeit, auch wenn’s mal ernst wird, und ihr Stil verbindet Tiefe mit einem Augenzwinkern, das man einfach mögen muss. Gerade diese Mischung aus Mut, Verletzlichkeit und Humor macht das Hörbuch zu etwas Besonderem – ich habe mich oft dabei ertappt, wie ich zustimmend nickte oder laut lachen musste.
Klar, wer rein klassische Romane oder Handlung erwartet, wird hier vielleicht nicht voll auf seine Kosten kommen. „Alt genug“ lebt von Reflexion und Atmosphäre, weniger von Spannung. Und ab und an hätte ich mir ein bisschen mehr Struktur gewünscht, gerade bei den vielen Themen, die angerissen werden. Aber das ist jammern auf hohem Niveau.
Am Ende bleibt ein Gefühl von „Okay, das Leben ist vielleicht chaotisch, aber gerade deshalb lebenswert.“ Wer Lust auf eine ehrliche, humorvolle und berührende Begleitung durch die Höhen und Tiefen der Lebensmitte hat, liegt hier genau richtig.
4 von 5 Sternen – ein warmherziges Hörbuch, das Mut macht, das Leben zu umarmen, egal in welchem Kapitel man gerade steckt.