Matjes al dente - Ein Ostfriesen-Krimi (Henner, Rudi und Rosa, Band 13)
Kritik
Schon der erste Satz hat mich direkt ins norddeutsche Küstenflair katapultiert – schroffe Wellen, salzige Luft und ein ganz besonderer Charme, der sich durch „Matjes al dente“ zieht wie das Echo von Möwen über Neuharlingersiel. Hier geht’s nicht nur um einen Mordfall der ungewöhnlichen Art, sondern auch um Menschen, die man sofort ins Herz schließen möchte.
Die Geschichte beginnt mit einem Schock: Die sonst so ruhige Inhaberin der Reederei „Meeresglück“ wird tot auf ihrem Schiff gefunden – mitten zwischen Blumendeko für eine Seebestattung. Sofort schwebt das Gespenst der Mafia über dem beschaulichen Küstenort, denn Tjalda, die Verstorbene, war nicht nur mit einem Italiener verheiratet, sondern auch stolze Vorsitzende eines Cannabis Socialclubs. Das Ermittler-Duo Rudi und Henner, das wir inzwischen schon zum 13. Mal begleiten, findet sich plötzlich in einem Terrain wieder, das ihnen bisher fremd war: Organisierte Kriminalität an der ostfriesischen Küste? Unerhört. Lehrerin Rosa ist anfangs in den Ferien, doch als Henner selbst unter Verdacht gerät, mischt sie wieder kräftig mit.
Was mir besonders gut gefallen hat: Die Figuren sind so liebevoll skizziert, dass man das Gefühl hat, beim nächsten Spaziergang an der Küste direkt einem von ihnen zu begegnen. Rudi ist jederzeit sympathisch, Henner mit seiner Mischung aus gemütlicher Bodenständigkeit und Ecken und Kanten herrlich realistisch und Rosa bringt mit ihren lockeren Sprüchen und charmantem Mut genau die richtige Würze ins Geschehen. Der Schreibstil der beiden Autorinnen ist lebendig und schnörkellos, mit einem feinen Schuss Humor, der genau zwischen Spannung und norddeutscher Gemütlichkeit balanciert.
Okay, ich muss zugeben: Der Plot wirkt zum Teil ein bisschen vertraut. Ein Mafia-mäßiger Mord im sonst so beschaulichen Ostfriesland ist vielleicht nicht das frischeste Motiv, und manche Wendungen kamen mir etwas zu flott hinterher. Aber hey, wer bei einem Ostfriesen-Krimi das große Thriller-Drama erwartet, wird an genau diesen Momenten ohnehin skeptisch schmunzeln.
Fazit: Ein kurzweiliger Krimi mit sympathischem Ensemble und einer Prise nordischer Lebensart, der perfekt für alle ist, die gern Regionalkrimi mit Herz und Humor lesen. Wer Charaktere wichtiger findet als blutige Action und sich auf eine entspannte Reise an die Küste einlassen mag, ist hier goldrichtig.
4 von 5 Sternen – Matjes al dente schmeckt nicht nur Freunden von Ostfriesland-Krimis!