Rabenthron: Helmsby-Reihe, Band 3
Kritik
Wer schon einmal in den düsteren Wirren des frühen Mittelalters versunken ist, weiß: Rebecca Gablé schafft es auch im dritten Band der Helmsby-Reihe, einen direkt ins raue England des Jahres 1013 zu katapultieren. Hier trifft man auf Ælfric, einen jungen Engländer, der mitten in den Wirren zwischen Dänen und Einheimischen eine ganz besondere Reise antritt – eine Reise, die nicht nur sein Schicksal, sondern auch das von zwei verfeindeten Königreichen verändern könnte.
Die Handlung ist ein spannungsgeladenes Geflecht aus politischen Intrigen, Kampfszenen und überraschenden Bündnissen. Dass Ælfric ausgerechnet mit Hakon, einem dänischen Gefangenen, Freundschaft schließt, lockert die sonst so düstere Atmosphäre gekonnt auf und bringt einen frischen, fast schon menschlichen Blick auf die „Feinde“. Die Machenschaften um Königin Emma und der fragile Frieden am Hofe machen die Geschichte lebendig und sorgen für ordentlich Nervenkitzel. Gablés Fähigkeit, Geschichte lebensecht und mit all ihren Zwischentönen zu schildern, ist einmal mehr beeindruckend.
Was den Stil betrifft, liest sich das Ganze wie ein spannender Historienkrimi – flott, klar und trotzdem mit viel Liebe zum Detail. Man spürt: Hier wurde ordentlich recherchiert, und trotzdem ist das Buch kein trockener Geschichtstext, sondern ein mitreißendes Abenteuer mit Ecken und Kanten. Besonders gelungen sind die facettenreichen Charaktere; Ælfric wirkt authentisch, mal impulsiv, mal nachdenklich – einfach ein Typ, bei dem man gerne mitfiebert.
Kritisch anmerken möchte ich, dass die vielen Nebenstränge an manchen Stellen ein bisschen die Flüssigkeit rauben. Gerade wer weniger Erfahrung mit historischen Romanen hat, könnte hier leicht den Überblick verlieren. Außerdem wünscht man sich an manchen Stellen noch etwas mehr Tiefgang bei Nebenfiguren, die ebenfalls Potenzial gehabt hätten.
Alles in allem ist „Rabenthron“ ein mitreißendes Kapitel, das Fans von packender Historie und starken Figuren begeistern wird. Wer Lust auf dramatische Zeiten, kluge Intrigen und eine unerwartete Freundschaft in stürmischen Zeiten hat, sollte hier unbedingt zugreifen.
4 von 5 Sternen – weil spannende Geschichte und lebendige Figuren ganz klar das Herzstück sind, auch wenn die Erzählstruktur manchmal ein bisschen durcheinander wirkt.
Klappentext
Doch anders als England und Dänemark sind Ælfric und Hakon keine Feinde - während der gefährlichen Reise sind sie zu Freunden geworden. Bald schon gehören sie zum inneren Kreis um die machtbewusste Königin Emma. Aber der Widerstand der Engländer droht zu brechen, und als der dänische König stirbt, steht bald ein noch gefährlicherer Feind vor den Toren ...