Neuromancer: Neuromancer 1
Kritik
Direkt nach den ersten Zeilen fühlt man sich in eine düstere Zukunft katapultiert, die gleichzeitig erschreckend real wirkt – ein bisschen, als würde man in einen Film noir eintauchen, der mitten im Cyberspace spielt. William Gibsons „Neuromancer“ ist nicht einfach nur Science Fiction; es ist der Startschuss für das Cyberpunk-Genre, das heute aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken ist.
Im Zentrum steht Case, ein ehemaliger Hacker, der am Tiefpunkt angekommen ist: Sein Nervensystem sabotiert ihm den Zugang in den Cyberspace – und damit sein Leben. Plötzlich bietet sich ihm eine letzte Chance bei einem mysteriösen Auftrag, der viel mehr ist, als er zunächst denkt. Die Story ist komplex, spannend und steckt voller überraschender Wendungen, ohne dabei verworren zu wirken.
Was richtig Laune macht, ist Gibsons knapper, präziser Stil, der dennoch eine Menge Atmosphäre schafft – ein ganz spezieller rauer Ton, der wie eine Mischung aus technoidem Puls und düsterer Melancholie funktioniert. Die Figuren, allen voran Case, sind cool und kantig, trotzdem schafft es Gibson, auch ihre verletzlichen Seiten zu zeigen. Ein gigantischer Pluspunkt ist die Übersetzung von Reinhard Heinz und Peter Robert, die dem Text die nötige Frische und Klarheit verleihen, ohne den Originalflair zu verlieren.
Klar, der Einstieg ist nicht unbedingt ein Spaziergang – mit fachspezifischen Cyberpunk-Begriffen und der komplexen Welt kann man schon mal ins Straucheln kommen. Wer aber durchhält, wird mit einem einzigartigen Leseerlebnis belohnt, das das Genre geprägt hat wie kaum ein anderes Buch. Vielleicht nicht für jeden, der mal eben lockerflockige Sci-Fi will, aber wer Lust auf ein bisschen Gehirnjogging mit einer ordentlichen Portion Stil hat, ist hier goldrichtig.
Alles in allem eine zeitlose Perle, die Cyberpunk zum Kopfgebäude gemacht hat. Für Fans von tiefgründigem Science Fiction, die auch mal ein bisschen auf der dunklen Seite surfen wollen, ist „Neuromancer“ ein absolutes Muss.
4 von 5 Sternen – weil’s manchmal ganz schön knifflig wird, aber das Abenteuer ein echtes Highlight ist.
Klappentext
Mit der Neuromancer-Trilogie hat William Gibson die Science Fiction revolutioniert. Sein Debütroman Neuromancer gewann den Hugo-, den Nebula- und den Philip-K.-Dick-Award, die drei wichtigsten Preise des Genres. Zudem hat er nicht nur die Begriffe Matrix und Cyberspace geprägt, er hat ein ganzes Genre begründet: Cyberpunk. Das Netz ist allgegenwärtig, der Cyberspace zu einer zweiten Realität geworden, bestimmt von KIs und hart umkämpft von riesigen Firmenkomplexen, Hackern und Kriminellen. Ein Raum, der ungeahnte Möglichkeiten bietet, aber auch ein Ort, an dem das Gesetz des Stärkeren gilt und an dem Ethik und Moral längst überkommene Begriffe sind... Nach einem fehlgeschlagenen Auftrag scheinen sich für den jungen Hacker Case die Träume erstmal erledigt zu haben. Sein Nervensystem ist beschädigt und der Zugang zum Cyberspace damit unmöglich. Aussichten auf Heilung scheint es erstmal keine zu geben, doch da kommt Case zu einem neuen Auftrag, einem, der das Blatt wenden soll. Die Frage ist nur, für wen...
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