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Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war
Key Facts
Kritik
Schon beim Aufschlagen von Joachim Meyerhoffs „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ fühlt man sich irgendwie sofort mitten drin – in einer Welt, die zugleich vertraut und doch vollkommen anders ist. Man begegnet einer Familie, die auf den ersten Blick ungewöhnlich scheint, weil sie in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie lebt. Aber mehr noch spürt man die Liebe, den Humor und das Chaos, das alles zusammenhält – oder eben auch nicht.
Meyerhoff erzählt aus der Perspektive des jüngsten Sohnes, der im Schatten eines Vaters steht, der seine große Theorie in der Praxis oft versagen sieht. Umgeben von hunderten Patienten, die alle ihre ganz eigenen Geschichten mitbringen, hat der Junge seine ganz eigene Art, die Welt zu betrachten: mal wütend, mal kindlich-naiv, oft einfach nur ehrlich. Das Aufwachsen in dieser Anstalt ist alles andere als gewöhnlich, doch das Buch verschont uns vor dumpfer Schwere. Stattdessen bekommen wir eine Geschichte voller „Aha“-Momente, in der Traurigkeit und Komik so eng beieinander liegen, dass es fast weh tut – und genau das macht den besonderen Zauber aus.
Die Figuren sind greifbar und facettenreich, vor allem der Vater, dessen Abwesenheit in konkreten Momenten fast körperlich spürbar ist, und der Junge, dessen kindliche Perspektive so authentisch wirkt, dass man gerne mit ihm zusammen über das Gelände reitet – auch wenn der Ritt manchmal holprig wird. Meyerhoffs Schreibstil ist dabei leichtfüßig, witzig und gerade deshalb so eindringlich. Man lacht, weil es skurril ist, und man fühlt mit, weil hinter dem Humor eine tiefe Verletzlichkeit steckt.
Natürlich ist das Buch kein rundum-glatt-poliertes Feelgood-Werk. Manche Stellen ziehen sich etwas, und wer eine typischerweise durchgetaktete Erzählung sucht, könnte sich stellenweise fragen: Wo geht’s hier eigentlich genau hin? Aber gerade dieser leichte Bruch zu den konventionellen Erzählformen macht es auch aus. Es ist keine einfache Geschichte, und das sollte man ein Stück weit mitbringen.
Fazit: Für alle, die keine Scheu vor ungewöhnlichen Familiengeschichten haben und Lust auf eine Erzählung mit viel Herz, Humor und einer ordentlichen Portion echter Gefühle, ist „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ genau richtig. Ein besonderes Buch, das lange nachklingt – und das mit 4 von 5 Sternen eine klare Empfehlung verdient.
Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️
Klappentext
Ist das normal? Zwischen Hunderten von körperlich und geistig Behinderten als jüngster Sohn des Direktors einer Kinder- und Jugendpsychiatrie aufzuwachsen? Der junge Held in Joachim Meyerhoffs zweitem Roman kennt es nicht anders – und mag es sogar sehr. Sein Vater leitet eine Anstalt mit über 1.200 Patienten, verschwindet zu Hause aber in seinem Lesesessel. Seine Mutter organisiert den Alltag, hadert aber mit ihrer Rolle. Seine Brüder widmen sich hingebungsvoll ihren Hobbys, haben für ihn aber nur Häme übrig. Und er selbst tut sich schwer mit den Buchstaben und wird immer wieder von diesem großen Zorn gepackt. Glücklich ist er, wenn er auf den Schultern eines glockenschwingenden, riesenhaften Insassen übers Anstaltsgelände reitet. Joachim Meyerhoff erzählt liebevoll und komisch von einer außergewöhnlichen Familie an einem außergewöhnlichen Ort, die aneinander hängt, aber auseinander-gerissen wird. Und von einem Vater, der in der Theorie glänzt, in der Praxis aber stets versagt. Wer schafft es sonst, den Vorsatz zum 40. Geburtstag, sich mehr zu bewegen, gleich mit einer Bänderdehnung zu bezahlen und die teuren Laufschuhe nie wieder anzuziehen? Oder bei Flaute mit dem Segelboot in Seenot zu geraten und vorher noch den Sohn über Bord zu werfen? Am Ende ist es aber wieder der Tod, der den Glutkern dieses Romans bildet, der Verlust, der nicht wieder gutzumachen ist, die Sehnsucht, die bleibt – und die Erinnerung, die zum Glück unfassbar pralle, lebendige und komische Geschichten produziert.