Der Federmann
Kritik
Kaum habe ich „Der Federmann“ aufgeschlagen, war ich sofort mittendrin in einem düsteren Berlin-Kreuzberg, das einem nicht mehr so schnell aus dem Kopf geht. Max Bentow entführt uns in den ersten Fall von Kommissar Nils Trojan, der sich einem eiskalten Killer gegenübersieht – und das auf eine Szene-Manier, die einem unter die Haut geht.
Im Zentrum steht Trojan, ein Ermittler, der nicht der klassische glatte Typ ist, sondern mit Ecken und Kanten ausgestattet wurde. Gerade das macht ihn so spannend: Er geht an seine Grenzen, tüftelt und zweifelt, was der Figur eine wunderbar glaubwürdige Tiefe verleiht. Der Plot dreht sich um mysteriöse Morde, bei denen die Opfer mit Federn und toten Vögeln bedeckt werden – ein makabras, aber faszinierendes Bild, das richtig Gänsehaut erzeugt. Dazu kommt die bedrängende Zeitnot, als die kleine Lene spurlos verschwindet. Spannung pur, die Bentow fein dosiert aufbaut.
Der Schreibstil ist knackig und direkt, mit einem Hauch von Berliner Schnauze, der dem Ganzen den nötigen Drive verpasst. Man merkt, dass hier jemand mit Herz und Verstand schreibt – nichts wirkt gestellt oder überkandidelt. Besonders cool: Axel Milberg, der exzellente Sprecher, haucht Trojan eine Stimme ein, die einem noch lange im Ohr bleibt, falls ihr das Hörbuch statt dem Buch wählt.
Kleiner Schwachpunkt: Ab und an hätten manche Beschreibungen etwas weniger sein dürfen. Manchmal schleicht sich das Gefühl ein, Bentow möchte uns wirklich ganz genau zeigen, wie düster die Ecke ist. Das kann den Lesefluss minimal abbremsen, aber hey – besser zu viel Atmosphäre als zu wenig.
Wer Lust auf einen knallharten Thriller hat, der nicht nur nervenaufreibend, sondern auch mit viel Charakter brilliert, ist hier goldrichtig. „Der Federmann“ bietet genau das: Spannung, Gefühl und einen Ermittler, den man so schnell nicht vergisst.
Mein persönliches Fazit: 4 von 5 Sternen. Cool, düster und genau das Richtige für Fans von intensiven Krimis mit Ecken und Kanten.
Klappentext
Berlin Kreuzberg: Eine junge Frau wird bestialisch hingerichtet und mit Federn und einem toten Vogel bedeckt. Kommissar Nils Trojan hat kaum Zeit die Ermittlungen aufzunehmen, da schlägt der "Federmann" erneut zu. Als Lene, die kleine Tochter des zweiten Opfers, spurlos verschwindet, beginnt ein gefährlicher Wettlauf mit der Zeit.
Axel Milberg (u.a. "Der Feind im Schatten"), gibt diesem ungewöhnlichen Kommissar, der bei der Ermittlung bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit geht, eine unverwechselbare Stimme.