Der Herr der Ringe. Zweiter Teil: Die zwei Türme
Kritik
Kaum blättert man in „Die zwei Türme“, spürt man sofort, wie weit die Reise inzwischen geworden ist – und gleichzeitig, wie tief die Freundschaft und das Schicksal der Gefährten verwoben bleiben. Der Bund ist zerbrochen, jeder kämpft jetzt seinen eigenen Kampf, doch Mittelerde hält sie weiter fest zusammen. Frodo und Sam stapfen mutig dem Schicksalsberg entgegen, während Aragorn, Legolas und Gimli sich von den vertrauten Pfaden lösen und sich aufmachen, ihre vermissten Freunde Merry und Pippin zu finden. Mehr will man eigentlich gar nicht verraten, denn der Zauber liegt in den Begegnungen und der düsteren Atmosphäre, die Tolkien mit einer unnachahmlichen Liebe zum Detail entfaltet.
Was sofort auffällt: Tolkien erzählt mit einer wunderbaren Mischung aus epischer Weite und ganz menschlichen Momenten – hier trifft Kampf auf Freundschaft, Magie auf Zweifel. Die Charaktere sind spannend gezeichnet – von mutigen Hobbits bis zu geheimnisvollen Gestalten des Waldes – und man kann gar nicht anders, als sich mit ihnen zu freuen, zu bangen und zu träumen. Der Erzählstil ist dabei zugleich reich, aber niemals sperrig; wer aber mit zu vielen ausführlichen Beschreibungen weniger anfangen kann, sollte sich auf eine geduldige Lektüre einstellen. Das nimmt man aber gerne in Kauf, weil Tolkien eine so lebendige Welt erschafft, in der man sich sofort zuhause fühlt.
Ein kleines Manko? Die Erzählgeschwindigkeit schwankt ab und an – einige Passagen ziehen sich, was das Tempo ein bisschen drückt. Aber gerade diese Momente laden ein, einfach einzutauchen und zu genießen, statt nur schnell voranzukommen. Außerdem ist „Die zwei Türme“ der zweite Teil einer großen Saga. Wer also mit dem ersten Band nicht warm wurde, könnte hier ebenfalls an Grenzen stoßen.
Kurz und knapp: Wer Lust auf eine packende Fantasy-Reise hat, die sowohl mit Figurenstärke als auch mit einem grandiosen Weltenbau punktet, ist hier genau richtig. Ein bisschen Geduld und Offenheit für eine detailreiche Erzählung sind allerdings Pflicht. Für Fans von tiefgründigen Abenteuern und epischer Spannung eine absolute Empfehlung.
Kurzfazit: 4 von 5 Sternen – Tolkien zeigt hier eindrucksvoll, warum seine Welt Kultstatus hat, auch wenn es an manchen Stellen etwas zäh wird. Für alle, die Mittelerde lieben (lernen), ein Muss!
Klappentext
Der Bund ist zerbrochen und die Wege der Gefährten trennen sich. Nachdem Frodo und Sam, sich alleine auf den Weg zum Schicksalsberg machen, müssen Aragorn, Legolas und Gimli sich auf die Suche nach den beiden Hobbits Merry und Pippin begeben und treffen dort auf einen alten Wegbegleiter ...
In würdiger Nachfolge und in Gedenken an Achim Höppner liest Gert Heidenreich Teil zwei der Fantasytrilogie in der Übersetzung von Wolfgang Krege und folgt den Gefährten auf ihren Abenteuern in Mittelerde.
Auch für den zweiten Band hat die Tolkiengesellschaft die Auswahl für das umfangreiche Booklet getroffen: Die Geschichte der Völker Mittelerdes wird fortgesetzt, den Auenland-Kalender und Schrift und Lautung der alten Sprachen.
(Laufzeit: 18h 48)