Der Judas-Schrein
Key Facts
Kritik
Kaum hat man die ersten Seiten von „Der Judas-Schrein“ aufgeschlagen, steckt man mitten in einem düsteren, fast schon beklemmenden Szenario fest – dieses abgelegene Gebirgsdorf, von Regen und Bergen eingezwängt, fühlt sich sofort real an. Andreas Gruber schafft es meisterhaft, einen richtigen Spannungsbogen aufzubauen, der einen gar nicht mehr loslässt. Die Geschichte dreht sich um eine grausam verstümmelte Mädchenleiche, deren Fund Kommissar Alex Körner zurück in seine Heimat Grein führt – ein Ort, von dem er dachte, für immer geflohen zu sein. Die Stimmung ist von Anfang bis Ende greifbar, das Grauen und die dunklen Geheimnisse des Ortes ziehen einen unweigerlich in ihren Bann.
Alex Körner als großer Gegenspieler der eigenen Vergangenheit ist dabei ein großartig gezeichneter Charakter. Man spürt seine innere Zerrissenheit, seine Ängste und seine Stärke, die ihn trotz allem vorantreiben. Grubers Schreibstil ist klar und prägnant, ohne zu viele Schlenker, und das macht das Lesen zu einem richtig flüssigen Erlebnis. Besonders gefallen hat mir, wie authentisch die Landschaft und das Klima in die Handlung eingewoben sind – der strömende Regen, der reißende Fluss, der die Verbindung zur Außenwelt kappen kann, geben der Geschichte eine zusätzliche, fast schon erdrückende Atmosphäre.
Klar, manchmal sind die Beschreibungen so detailverliebt, dass man fast kurz abdriftet – wer es eher flotter mag, könnte hier geduldig bleiben müssen. Auch das Ende ist nicht ganz ohne, für manche vielleicht sogar ein bisschen zu düster oder komplex. Aber hey, genau das macht das Buch eben auch spannend, nicht wahr?
Für alle, die auf nervenzerreißende Krimis stehen, in denen Atmosphäre nicht nur Beiwerk ist, sondern das Herzstück, ist „Der Judas-Schrein“ definitiv eine Empfehlung wert. Ein gut durchdachter Plot, der den Leser packt, starke Charaktere, die im Gedächtnis bleiben, und eine Stimmung, die sich wie ein kalter Schleier über die Seiten legt.
Fazit: Ein düsterer Thriller mit Sogwirkung und viel Nervenkitzel, der zwar seinen Preis an Nervenspannung hat, dafür aber auch umso befriedigender zu lesen ist. Für Fans des Genres ein richtig guter Fang!
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Klappentext
In dem abgeschiedenen Gebirgsdorf Grein, eingeschlossen zwischen den Bergen und einem reißenden Fluss, wird eine grausam verstümmelte Mädchenleiche gefunden, der fast alle Rückenwirbel fehlen. Der Fall ist so rätselhaft, dass man Kommissar Alex Körner aus Wien hinzuzieht.
Körner ist in Grein aufgewachsen, aber als Jugendlicher aus dem düsteren, beengten Dorf geflohen. Seine Rückkehr wird zum Höllentrip, denn das tote Mädchen ist nur Teil einer schrecklichen Mordserie. Und während der vom Dauerregen stark angeschwollene Fluss über die Ufer tritt und Grein von der Außenwelt abgeschnitten wird, kommt eine grauenvolle Wahrheit ans Licht …
Ein frühes Werk des Bestsellerautor, ausgezeichnet mit dem Deutschen Phantastik Preis und jetzt in attraktiver Neuausgabe.