Die Memoiren des Grafen
Kritik
Manchmal braucht es gar nicht viel, um mich von einem Krimi zu packen – und genau so ist es mir mit „Die Memoiren des Grafen“ von Agatha Christie ergangen. Dieses Buch bietet alles, was man von der Queen of Crime erwartet: raffinierte Verwicklungen, knackige Dialoge und eine Prise britischen Understatements. Anthony Cade gerät ganz unabsichtlich in einen Strudel aus Mord, Geheimnissen und einer Verschwörung, die sich von London bis zum noblen Landsitz „Chimneys“ zieht. Was genau die Memoiren des Grafen so brisant machen, bleibt bis zum Schluss spannend und lässt einen immer wieder aufs Neue rätseln.
Dabei nimmt Inspector Battle die Zügel in die Hand – ein Charakter, der mir überraschend gut gefiel, weil er nicht der typische unfehlbare Ermittler ist, sondern eher bodenständig und unaufgeregt wirkt. Christie gelingt es, eine komplexe Handlung mit sympathischen Figuren zu verbinden, ohne dass es überladen oder verwirrend wird. Der Schreibstil fließt mühelos und macht das Buch zu einem kurzweiligen Erlebnis, bei dem man gerne jede Seite aufsaugt.
Was mich fast minimal gestört hat? Die Geschichte hat ab und zu Momente, in denen sie ein wenig zu sehr auf altmodischen Strickmustern beharrt und manche Wendungen vorhersagbar wirken. Nichtsdestotrotz bleibt das kein großer Dämpfer, besonders wenn man den Charme des Settings und die feine Ironie im Ton berücksichtigt.
Wer Lust auf einen klassischen Whodunit mit großer Portion britischem Flair, unerwarteten Wendungen und ein bisschen Verschwörungshighlife hat, für den ist „Die Memoiren des Grafen“ definitiv einen Griff wert. Christie-Fans und Neulinge gleichermaßen können hier auf ihre Kosten kommen – ein kurzweiliger, cleverer Krimi, der Lust auf mehr macht.
4 von 5 Sternen – weil es fast perfekt ist, aber eben mit einem charmanten kleinen Schönheitsfehler.
Klappentext
Nichtsahnend erklärt sich Anthony Cade bereit, für einen alten Freund ein Manuskript nach London zu bringen und findet sich prompt in eine internationale Verschwörung verwickelt. Warum um alles in der Welt sind die Memoiren des Grafen so wichtig? Dann geschieht ein Mord, der im Außenministerium und bei der Hochfinanz wie eine Bombe ein schlägt.
Inspektor Battle von Scotland Yard tappt zunächst im Dunklen. Mord, Erpressung, Diebstahl von Dokumenten und ein legendärer verschwundener Diamant - alle Hinweise führen nach "Chimneys", auf einen großen historischen Landsitz. Dort kommt Battle den Tätern auf die Spur, mit denen niemand gerechnet hätte!
Ungekürzte Lesung mit Reiner Unglaub
6h 33min