Die Känguru-Apokryphen (Die Känguru-Werke 4)
Kritik
Man könnte fast erwarten, beim Öffnen von „Die Känguru-Apokryphen“ in ein gut gehütetes Geheimfach zu greifen – ein kleiner Schatz voller skurriler, unveröffentlichter Abenteuer des sowieso schon legendären Kleinkünstlers und seines anarchisch-witzigen tierischen Mitbewohners. Und genau so fühlt sich das Lesen an: wie eine exklusiv improvisierte Zugabe, bei der man dem chaotischen Duo noch ein Stück näherkommt.
Wer mit den Känguru-Chroniken vertraut ist, weiß, dass Marc-Uwe Kling das Talent hat, Gesellschaftskritik in bissige Gags und absurde Situationen zu verpacken. In diesem vierten Band erwartet euch keine neue Geschichte in klassischer Erzählstrang-Form, sondern ein bunter Flickenteppich aus Fundstücken und Anekdoten – aus Live-Shows, Anthologien und eben aus dem geheimen „Schreibtischfach“. Das bedeutet, man bekommt die Überraschungspakete und Quergedanken, die sonst vielleicht im Archiv gelandet wären. Genau darin liegt für mich der Charme: Es ist kein Kanon, sondern ein lustiger Backstage-Pass.
Marc-Uwe und sein Känguru bleiben wie immer die gewohnt überzeugenden Hauptfiguren: das eine clever und leicht sarkastisch, das andere herrlich anarchisch und unberechenbar. Ihre Wortgefechte sind messerscharf, ihr Humor mal tiefgründig, mal herrlich albern – und genau das macht das Duo so einzigartig. Der Schreibstil ist locker, schnell und frisch, was den Episoden einen Energie-Kick gibt und beim Lesen nonstop zum Schmunzeln bringt.
Einzig für absolute Neueinsteiger könnte die fehlende durchgängige Handlung ein kleines Stolpersteinchen sein. Denn wer die Hintergründe nicht kennt, landet manchmal etwas orientierungslos zwischen den Zitaten und Seitenhieben. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau – „Die Känguru-Apokryphen“ sind klar eine Schatztruhe für Fans, die einfach noch mehr vom bekannten Wahnsinn wollen.
Am Ende fühlt man sich wie bei einem spontanen Känguru-Abend mit guten Freunden: unverbindlich, witzig und ebendort, wo hirnrissige Ideen plötzlich ganz wunderbar aufgehen. Wer die Trilogie geliebt hat und Lust auf mehr anarchischen Wahnsinn à la Marc-Uwe und Känguru hat, wird hier bestens bedient.
Verdiente 4 von 5 Sternen – ein feines Extra, das den Humor und die Welt der Känguru-Werke liebevoll ergänzt, auch wenn es kein neues Meisterwerk ist. Für Freunde des Genres ein Muss, für Einsteiger eher ein charmantes Bonusmaterial.