Der Freund – Ist er dein Traumpartner oder dein Killer?
Kritik
Schon nach den ersten Kapiteln hatte ich dieses beklemmende Ziehen im Magen, das einen schlechten Filmabend und ein richtig gutes Buch zugleich ankündigt — man will weiter lesen, obwohl man sich manchmal wünscht, man hätte es nie angefangen.
Sydney Shaw sucht nach dem perfekten Mann, Tom wirkt wie der perfekte Mann: charmant, erfolgreich, Arzt — das volle Paket. Dann passiert ein brutaler Mord, die Stadt ist verunsichert, die Polizei vermutet einen Serientäter, der seine Opfer über Dates anlockt. Sydney fühlt sich sicher, weil sie Tom hat. Gleichzeitig flackert immer wieder dieses Gefühl: Irgendetwas stimmt nicht. Mehr verrate ich nicht, aber Spannung, Misstrauen und die Frage „Wem kann man wirklich glauben?“ treiben die Geschichte voran.
Die Figuren sind angenehm handfest erzählt. Sydney ist keine stoische Heldin, sie zweifelt, stolpert, reagiert impulsiv — genau das macht sie nahbar. Tom bleibt lange ein Mysterium, charmant und dadurch umso gruseliger, sobald Zweifel aufkeimen. Die Nebenfiguren sind funktional, manche hätten gern noch etwas mehr Tiefe vertragen, aber sie tun ihren Dienst: sie verstärken die Paranoia und den Druck, der auf Sydney lastet.
McFaddens Stil ist direkt, temporeich und sehr auf die innere Wahrnehmung der Protagonistin fokussiert. Längen gibt es kaum, das Buch liest sich rasant weg, die Kapitel enden oft mit kleinen Cliffhangern — fies, aber effektiv. Besonders gelungen fand ich die Art, wie Misstrauen und Alltägliches ineinanderkippen: ein Kuss, eine Nachricht, ein verstohlener Blick — und schon sitzt die Angst im Nacken. Kleiner Zusatz für Hörer:innen: Die gekürzte Lesung mit Yeşim Meisheit und Nicolás Artajo (ca. 7h 48min) ist stimmig und bringt die unterschwellige Bedrohung gut rüber.
Kritikpunkte? Manche Wendungen sind ein bisschen konstruiert, und gegen Ende wird das Tempo so forciert, dass ein paar Motivationen flach wirken. Wer sehr realistische Psychologie erwartet, könnte enttäuscht sein. Für eine nervenzerreißende Unterhaltung jedoch stören diese Schwächen kaum.
Fazit: Wer auf psychologische Spannung, schnelle Leseflüsse und dieses angenehme, schaudernde Gefühl steht, wenn man einer Figur gleichzeitig die Daumen drückt und ihr misstraut — ja, das ist ein Buch für dich. Knackig, fesselnd, mit kleinen Schwächen, die man gern verzeiht.
Bewertung: ★★★★☆ (4/5)
Klappentext
Sydney Shaw hatte immer Pech mit ihren Dates. Bis sie Tom traf. Tom scheint perfekt: Er ist charmant, attraktiv und arbeitet als Arzt in einem Krankenhaus. Dann erschüttert der brutale Mord an einer Frau die Stadt. Die Polizei tippt auf einen Serientäter, der sich mit seinen Opfern zu einem Date verabredet, bevor er zuschlägt. Sydney sollte sich sicher fühlen. Schließlich hat sie Tom. Warum hat sie nur das Gefühl, dass mit ihm etwas nicht stimmt? Jemand beobachtet sie auf Schritt und Tritt. Sie muss der Wahrheit schnell auf die Spur kommen – sonst könnte sie das nächste Opfer sein …
Gekürzte Lesung mit Yeşim Meisheit, Nicolás Artajo
7h 48min