Sturmhöhe
Kritik
Schon nach den ersten Seiten zieht einen dieses Buch wie ein Sturm hinein: rau, unbarmherzig und so nah, dass man kaum Luft bekommt.
Sturmhöhe erzählt von einer Liebe, die alles sprengt — von Heathcliff, dem Findelkind aus den Slums, und Catherine, der Tochter eines wohlhabenden Gutsherrn. Sie wachsen zusammen auf, entfachen eine leidenschaftliche Bindung, die von Klassengegensätzen, Eifersucht und verletztem Stolz zerrissen wird. Mehr will ich nicht verraten; die Kraft des Romans liegt im Prozess, nicht im Ende.
Heathcliff und Catherine sind keine einfachen Figuren zum Lieben oder Verurteilen — sie sind widersprüchlich, egoistisch und zugleich so menschlich, dass man sie nie ganz loslässt. Emily Brontës Sprache ist dicht, stellenweise elegant, oft scharf wie ein Messer; sie seziert Gefühle, ohne zu beschönigen. Besonders gelungen finde ich, wie die Atmosphäre des Moorlands selbst zur Figur wird: kalt, stürmisch, unversöhnlich — ein perfekt passender Spiegel für die inneren Stürme der Beteiligten.
Die Lesung mit Eva Mattes und Wolfram Koch macht aus diesem Klassiker ein intensives Hörerlebnis. Ihre Stimmen geben den Figuren unterschiedliche Färbungen, bringen Nuancen heraus, die beim reinen Lesen vielleicht subtiler bleiben würden. Kleine Anekdote: Manchmal wollte ich die beiden einfach an den Schultern packen und sagen: „Beruhigt euch!“ — und das ist ein Kompliment an die Authentizität, nicht an die Vernunft des Geschehens.
Kritikpunkte? Ja: Der Erzählaufbau mit Rückblenden und mehreren Erzählern kann gelegentlich sperrig wirken, und wer leichte, tröstliche Romane sucht, ist hier falsch. Manche Figuren handeln aus heutiger Sicht rücksichtslos; das ist Teil des Romans, macht ihn aber auch emotional anspruchsvoll. Außerdem: Die Melancholie ist nicht für jeden — sie bleibt lange hängen.
Fazit: Sturmhöhe ist nichts für sanfte Gemüter, dafür umso lohnender für Leserinnen und Leser, die intensive, ambivalente Charakterstudien und eine dichte, stimmungsvolle Szenerie suchen. Die Kombination aus Brontës Wortmacht und der überzeugenden Lesung von Eva Mattes & Wolfram Koch macht die Ausgabe zu einem starken Erlebnis.
Sternebewertung: 4/5