Angst auf Föhr - Ein Nordseekrimi-Reihe, Band 2 (Ungekürzt)
Kritik
Schon beim ersten Kapitel hat mich das salzige Nordseewetter erwischt und ich wollte am liebsten sofort ans Meer fahren — so stark ist die Atmosphäre in Cornelia Härtls zweitem Föhr-Krimi.
Kurz zur Sache: Kari Lürsen, eine suspendierte Zielfahnderin, wird widerwillig reaktiviert, um in einem Safehouse auf Föhr eine Kronzeugin und deren Tochter zu schützen. Schnell wird klar, dass mehr als nur ein Außenseiter in der Behörde Probleme macht: Entweder sitzt ein Maulwurf im BKA oder die Zeugin vertuscht etwas. Je dichter das Netz aus Lügen wird, desto gefährlicher wird der Einsatz — und bald geraten Kari und ihre Kollegin selbst in akute Lebensgefahr.
Kari ist ein starker, verzweifelter Typ mit Ecken und Kanten, genau die Art Ermittlerin, die man gern auf einer einsamen Insel begleitet. Ihre Unsicherheit nach der Suspendierung und ihr Pflichtgefühl wirken glaubwürdig; die Chemie zwischen ihr und der anderen Beamtin bringt angenehme Dynamik ins Geschehen. Härtls Figuren sind keine Schablonen, sondern Menschen mit kleinen Schwächen, was die Spannung persönlicher macht. Die Beschreibung der Insel, der Wind, die enge Gemeinschaft — das funktioniert als zusätzlicher Charakter und verleiht dem Krimi eine wunderbar klaustrophobische Patina.
Der Stil ist schnörkellos, flott und mit einem feinen Sinn für Tempo: kurze, prägnante Kapitel treiben das Vorwärtsdenken an. Ich mochte vor allem, wie Härtl die Psychologie der Bedrohung ausspielt, nicht nur die Action. Zwischendurch habe ich laut aufgestöhnt, als sich Hinweise verflochten, und das passiert nicht oft.
Kritikpunkt: Manches wirkt vertraut — liebgewonnene Krimi-Tropen werden bedient, und wer sehr originelle Wendungen sucht, könnte enttäuscht sein. An ein, zwei Stellen hätten ruhig ein paar Kapitel mehr Raum für Hintergrundgeschichte sein dürfen; der Fokus liegt klar auf Spannung statt Tiefe.
Fazit: Ein starker, atmosphärischer Nordseekrimi mit glaubwürdigen Figuren und spürbarer Dringlichkeit — ideal für alle, die Küstennebel, nervenaufreibende Schutzfälle und gut getimte Spannung mögen. Sehr unterhaltsam, ohne Anspruch auf Revolutionsliteratur, aber genau das, was ein Solider-Krimi-Abend braucht.
Bewertung: 4 von 5 Sternen