Abschied(e) (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Schon die ersten Minuten der Lesung fühlen sich an wie ein persönlicher Brief: ein kluger, leicht müder Mann, der das Leben sortiert und dabei nicht die Spur von Dünkel zeigt. Ich habe mich sofort auf dieses Gespräch eingelassen — und wurde nicht enttäuscht.
Worum es geht, lässt sich kurz sagen, ohne zu verraten: Julian Barnes, der älter wird und mit der Fragilität des Körpers konfrontiert ist, zieht Bilanz. Er erzählt vom Anfang und von einem möglichen Ende, mischt Erinnerungen mit einer fiktiven Erzählung und fragt immer wieder: Was zählt wirklich? Die ungekürzte Lesung lässt diese Grenzgänge zwischen Memoir und Fiktion atmen, ohne dass Barnes aufdringlich wird.
Die Hauptfigur ist oft Barnes selbst, zumindest eine Version von ihm — reflektierend, spitzfindig, selten sentimental. Daneben treten Figuren und Szenen, die wie Spielsachen funktionieren: sie illustrieren Thesen, reiben sich an ihnen oder bringen überraschende Wärme. Sprachlich ist das Buch ein Genuss: präzise Sätze, feiner Witz, und eine Melancholie, die nicht ins Pathos abrutscht. Barnes denkt klar, oft ironisch, und trotzdem mit einem echten Blick für das Kleine im Leben.
Als Hörbuch gewinnt das Ganze durch Frank Arnold. Sein Vortrag ist ruhig, nuanciert und trägt eine Autorität, die weder belehrend noch distanziert wirkt — sehr angenehm. Arnold macht aus den kurzen, scharfen Gedankenpassagen lebendige Momente und lässt die ruhigeren, nachdenklichen Stellen atmen. Wer Barnes lesen kann, wird Arnold gern zuhören.
Was mir besonders gefallen hat: die Ehrlichkeit. Barnes versucht nicht, den Abschied zu verschönern. Seine Sprache bleibt bewegend, ohne zu übertreiben; seine kleinen,