Stonehenge (German Edition): Die Kathedrale der Zeit
Kritik
Schon beim ersten Kapitel zieht einen diese Geschichte mit einer Mischung aus Staunen und leichter Beklommenheit hinein — so als stünde man nachts auf der Großen Ebene und starrte auf etwas, das größer ist als man selbst. Ich habe mich sofort an Orte und Menschen gebunden gefühlt, obwohl Stonehenge und seine Erbauer zeitlich so fern scheinen.
Ken Follett nimmt uns in Die Kathedrale der Zeit mit auf eine weite, staubige Reise: Seft, ein junger Mann mit dem ungewöhnlichen Blick für Feuersteine, Neen, das Mädchen, das seine Welt stabilisiert, und Joia, ihre visionäre Schwester und Priesterin, bilden das emotionale Zentrum. Gemeinsam träumen sie von einem monumentalen Steinkreis, der die zerstrittenen Stämme einen soll — doch Dürre, Misstrauen und rohe Gewalt stellen diesen Traum auf die Probe. Keine Sorge: Die Handlung bleibt zugänglich und klar, ohne in historische Fachsimpelei zu ertrinken; Follett erzählt geschmeidig und zielgerichtet.
Die Figuren sind greifbar und nicht überhöht. Seft wirkt verletzlich, aber standhaft; Neen bringt Wärme und Alltagssinn; Joia ist diese überraschend moderne Kraft, die an das Unmögliche glaubt. Besonders gelungen fand ich, wie Follett innere Konflikte mit den äußeren Lebensumständen verwebt — das macht die Personen menschlich und nachvollziehbar. Stilistisch ist das Buch gewohnt erzählerisch und bildkräftig; Dialoge und Beschreibungen sitzen, die Arbeit mit Tempo und Perspektiven erinnert an seine besten historischen Romane. Die Übersetzung von Rainer Schumacher und Dietmar Schmidt überträgt Folletts Rhythmus überzeugend ins Deutsche — stilistisch stimmig und flüssig zu lesen.
Kleine spontane Reaktion: Manchmal sehnte ich mir mehr Überraschungen im Plot, weil der Weg zum großen Projekt erwartbar bleibt — aber gleichzeitig ist genau dieses vertraute Erzählgerüst auch Trumps Stärke: Es gibt Sicherheit, ohne zu langweilen. Kritisch möchte ich anmerken, dass manche Nebenfiguren nur skizzenhaft bleiben und einige Szenen stellenweise sehr konventionell wirken. Wer aber auf solide Figurenarbeit, epische Stimmung und handwerklich sauberes Erzählen steht, wird das meist verschmerzen.
Fazit: Ein warmherziger, spannender Historienroman, der weniger durch plötzliche Wendungen als durch Atmosphäre, Charaktere und die Idee eines gemeinsamen Bauwerks besticht. Perfekt für Leser:innen, die epische, gut erzählte Geschichten mögen und sich von historischen Kulissen tragen lassen wollen. Bewertung: 4 von 5 Sternen.
Klappentext
Ein Mann mit außergewöhnlicher Gabe
Seft hat ein besonderes Auge für Feuersteine und weiß, wo sie zu finden sind. In der Hitze des Hochsommers überquert er die Große Ebene, um den Ritualen beizuwohnen, die den Beginn des neuen Jahres anzeigen. Beim Markt zur Sommersonnenwende will er einen seiner Steine eintauschen und Neen suchen, das Mädchen, das er liebt. Neens Familie lebt in Wohlstand und bietet Seft in ihrer Gemeinschaft von Hirten Zuflucht vor seinem brutalen Vater und seinen aggressiven Brüdern.
Eine Priesterin, die an das Unmögliche glaubt
Joia, Neens Schwester, ist eine Priesterin mit Vision, eine geborene Anführerin. Schon als Kind sieht sie der Zeremonie zur Sommersonnenwende wie gebannt zu und träumt von einem wundergleichen neuen Monument, errichtet aus den größten Steinen der Welt. Aber in den Hügeln und Wäldern der Großen Ebene braut sich Ungemach zusammen.
Ein Monument, das eine Zivilisation prägen wird
Joias Vision von einem großen Steinkreis, den die zerstrittenen Stämme der Ebene gemeinsam errichten, inspiriert Seft und wird zu ihrem gemeinsamen Lebenswerk. Doch als Dürre die Erde plagt, wächst das Misstrauen zwischen Hirten, Ackerbauern und Waldbewohnern - und eine grausame Gewalttat führt zu offenem Krieg ...
»Follett ist ein meisterhafter Geschichtenerzähler« THE TIMES
»Einer der großen Bestsellerautoren« DAILY TELEGRAPH
»Follett ist ein Meister seines Fachs« THE WASHINGTON POST