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Erschienen:
2026-11-06
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Afrika

Kritik

Kaum hat man die ersten Minuten von „Afrika“ gehört, fühlt man sich mitten in einen turbulenten Tanz aus Diplomatie, Intrigen und absurden Lebenslagen katapultiert. Daniel Kehlmann schafft es mit leichter Hand, einen historischen Moment – die Aufteilung Afrikas im späten 19. Jahrhundert – nicht als staubige Geschichtsstunde, sondern als spritziges, wunderbar schräges Spektakel zu erzählen.

Im Mittelpunkt steht Legationsrat Strinetzky, ein Mann, der mit seinen ganz persönlichen Brennpunkten mehr zu tun hat, als mit der goldenen Ära der Kolonialmächte. Statt großer Worte eher große Sorgen: Ein nicht existierender Gutachter, plötzlich auftauchende Beweise eines Betrugs und ein herausgeforderter preußischer Offizier, der ein Duell fordert – ja, das klingt nach Chaos, aber gerade das macht den Reiz aus. Kehlmann zeichnet hier keinen machtbesessenen Politiker, sondern einen fast lächerlich menschlichen Charakter, dessen Fehltritte und Verstrickungen das Ganze erst so richtig lebendig machen.

Was das Hörbuch besonders hervorhebt, ist die Interpretation von Ulrich Noethen, der den Ton genau trifft: ironisch, nüchtern und doch herzlich. Seine Stimme führt mühelos durch die Wendungen der Handlung und verleiht der Geschichte eine unglaubliche Leichtigkeit. Der Stil ist elegant und dabei keineswegs staubtrocken, sondern überraschend frisch und sehr unterhaltsam – perfekt also, wenn man Lust auf ein Hörbuch hat, das sowohl zum Nachdenken als auch zum Schmunzeln anregt.

Kritisch muss ich anmerken, dass die Geschichte auf Hörbuch-Liebhaber zugeschnitten ist – wer eher zu dichten Romanen oder tiefschürfenden historischen Analysen tendiert, könnte sich manchmal etwas mehr Substanz wünschen. Auch die Figuren bleiben größtenteils Nebenakteure im großen Spiel, was dem flotten Erzählstil zugutekommt, aber weniger Tiefgang bietet. Aber hey, das ist ja auch nicht das Ziel von „Afrika“.

Kurz gesagt: Wer Lust hat auf eine Mischung aus Geschichte, Humor und einem wunderbar verqueren Blick hinter die Kulissen der Macht, wird hier bestens bedient. „Afrika“ ist ein kluger, witziger und kurzweiliger Trip, der ein Kapitel Kolonialgeschichte mal anders beleuchtet – mit viel Ironie und einem feinen Gespür für die Absurditäten des Lebens.

4 von 5 Sternen – spannend, unterhaltsam, und so frisch, dass man das Hörbuch glatt nochmal anhören könnte.

Klappentext

Ein einzigartiges Hörerlebnis – so komisch und unterhaltsam, wie Literatur nur sein kann. Im Winter 1884 versammeln sich auf Einladung Bismarcks die großen Mächte zu einer Konferenz, auf der ein ganzer Kontinent mit all seinen Reichtümern aufgeteilt werden soll: Afrika. Es geht um die Errettung der Eingeborenen aus Heidentum und Sklaverei – doch wer sagt, dass man an guten Taten nicht auch bestens verdienen darf? Österreich wird von Legationsrat Strinetzky vertreten, denn der Botschafter ist verhindert: Franz Liszt hat ihm ein Pianostück gewidmet, er muss üben. Strinetzky hat jedoch ganz andere Probleme. Um die Affäre mit einer Actrice zu finanzieren, hat er beträchtliche Gelder an einen fiktiven Gutachter namens "Doktor Waldbach" fließen lassen. In Berlin taucht nun  auf einmal ein echter Waldbach auf. Der Betrug droht aufzufliegen, Strinetzky muss dringend 5.000 Gulden auftreiben. Und dann beleidigt er noch aus Versehen einen preußischen Offizier, der ihn zum Duell im Grunewald fordert. Mit derlei Sorgen im Nacken irrt der Legationsrat über das diplomatische Parkett, wo sich die internationalen Mächte belauern. Unversehens macht die Not aus Strinetzky einen gerissenen Verhandler – mit weltpolitischen Folgen. Daniel Kehlmanns Hörbuch führt in die Kolonial-Ära, im Blick hat er dabei unsere eigene gewaltvolle Gegenwart. Ulrich Noethen ist preisgekrönter Schauspieler und Hörbuchinterpret. Seine Lesungen von Daniel Kehlmanns Die Vermessung der Welt, Tyll und Lichtspiel sind hochgelobt und Bestseller. Er fühlt sich in Afrika auch auf dem diplomatischen Parkett hörbar wohl.

FAQ

Ein einzigartiges Hörerlebnis – so komisch und unterhaltsam, wie Literatur nur sein kann. Im Winter 1884 versammeln sich auf Einladung Bismarcks die großen Mächte zu einer Konferenz, auf der ein ganzer Kontinent mit all seinen Reichtümern aufgeteilt werden soll: Afrika.…

Wenn du Lust auf einen spannenden Page‑Turner hast, ist das ein guter Start.

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