Wenn dir das hier gefiel …
Kommissar Bremshey und der Fall Gerd Janssen: Ostfrieslandkrimi
Key Facts
Kritik
Schon die ersten Seiten von „Kommissar Bremshey und der Fall Gerd Janssen“ haben mich direkt mitten ins melancholische Ostfriesland gezogen – das leise Rauschen des Wassers, der herbe Duft von salziger Luft und eben dieser typisch gemütliche Ostfriesentee, der im Krimi nicht nur Kulisse, sondern fast schon ein flüssiger Charakter ist. Man spürt förmlich die Ruhe, die Ubbo Bremshey so liebt – bis eben dahin, wo sie brutal zerbricht.
Die Geschichte beginnt mit einem Schock: Gerd Janssen, ein allseits geschätzter Kioskbesitzer, wird tot aufgefunden. Plötzlich ist das vermeintlich beschauliche Emden voller Fragen und Verdächtigungen. Jonas Herlin versteht es ausgezeichnet, das Ambiente der Region einzufangen, ohne dabei in klischeehafte Touri-Romantik abzudriften. Stattdessen ist die Atmosphäre dicht, fast greifbar, und die Menschen wirken ehrlich und vielschichtig.
Hauptkommissar Bremshey ist ein taffer Charakter, der auf den ersten Blick fast zu ruhig wirkt für so ein Drama, aber gerade das macht ihn spannend. Seine reflexionsfreudigen Momente, die kleinen Details, die er beobachtet, machen ihn sehr nahbar. Sein Kollege Frerich Bolten ergänzt das Duo sympathisch, auch wenn der Fokus klar auf Bremshey liegt. Der Schreibstil ist angenehm flüssig, mit einer Prise norddeutscher Lakonie, die oft zum Schmunzeln einlädt – locker, ohne oberflächlich zu sein.
Was mir besonders gefallen hat: Die Kombination aus einer scheinbar idyllischen Kleinstadt mit ihren Geheimnissen und der schleichenden Spannung, die sich von Szene zu Szene verdichtet. Auch wenn man das klassische Rezept eines Regional-Krimis kennt, bringt Herlin genug Eigenes mit hinein, um das Ganze frisch wirken zu lassen. Einzig die Auflösung hätte für meinen Geschmack etwas weniger konstruiert sein dürfen – hier verlor die Geschichte kurz ihren natürlichen Fluss.
Insgesamt ist „Kommissar Bremshey und der Fall Gerd Janssen“ genau der richtige Krimi für alle, die Lust auf einen atmosphärischen, nicht zu blutigen, aber trotzdem packenden Ausflug in die norddeutsche Provinz haben. Freunde von Lokalkolorit, Charaktertiefe und einer Portion Beschaulichkeit mit ernstem Hintergrund kommen hier auf ihre Kosten.
Fazit: Ein solider Ostfrieslandkrimi mit sympathischem Ermittler, der seine kleinen Schwächen mit reichlich Charme wettmacht.
Bewertung: 4 von 5 Sternen.