Der Bräutigam
Kritik
Es gibt Bücher, die dich von der ersten Seite an packen und nicht mehr loslassen – „Der Bräutigam“ von Benjamin Wiater ist genau so ein Thriller, der dich mitten ins kalte Wasser schmeißt. Ein rauschendes Familienfest verwandelt sich in einen Albtraum, als Noras Schwester Sofie plötzlich spurlos verschwindet. Was zunächst nach einer düsteren Gruselgeschichte klingt, wird schnell bitterer Ernst, denn der geheimnisvolle „Bräutigam“ ist ein skrupelloser Entführer, der seine Opfer mit makabren Hochzeitsannoncen ankündigt.
Die Geschichte entfaltet sich spannend und atmosphärisch dicht, besonders die klare, schnörkellose Sprache Wiaters macht das Lesen zum echten Pageturner. Nora als starke, entschlossene Hauptfigur wächst einem schnell ans Herz – sie ist weder übermenschlich noch perfekt, sondern einfach eine Frau in einer extremen Ausnahmesituation, deren Angst und Mut greifbar sind. Die Nebenfiguren bleiben etwas blasser, was aber der Hauptgeschichte eher hilft, weil so der Fokus ganz auf Nora und dem Nervenkitzel liegt.
Was mir besonders gefallen hat: die perfekte Mischung aus psychologischem Horror und realistischem Crime-Thriller. Wiater schafft eine beklemmende Stimmung, die mit jedem Kapitel dicker wird – genau richtig für alle, die es spannend und packend mögen, ohne in Horror-Klischees abzudriften. Einziger kleiner Haken ist, dass manche Wendungen vielleicht etwas vorhersehbar sind, was aber der Spannung kaum schadet.
Kurz und knapp: Wer Lust auf düsteren Nervenkitzel mit einem Hauch von Mystery hat und sich nicht scheut, mit einer Heldin durch die Abgründe menschlicher Abgründe zu tauchen, sollte zugreifen. „Der Bräutigam“ ist ein kleiner Schwarzer-Pulli unter den Thrillern – gemütlich, dabei aber ungemütlich spannend.
4 von 5 Sternen.