Jakob Rubinstein
Kritik
Wer Lust auf einen Krimi mit richtig viel Wiener Schmäh und schrägem Humor hat, sollte sich „Jakob Rubinstein“ von Andreas Gruber nicht entgehen lassen. In den düsteren Gassen der österreichischen Hauptstadt geht’s hier nämlich nicht nur um klassische Ermittlungen, sondern um eine bunte Truppe, die mit viel Herz und einer Portion Chaos ihre Fälle aufrollt. Jakob Rubinstein ist kein typischer Detektivheld à la Sherlock Holmes – eher ein sympathisch zerstreuter Typ, der eher durch Zufall als durch brillanten Spürsinn die Wahrheit ans Licht bringt. Das macht ihn authentisch und angenehm nahbar, statt überkandidelt.
Die Handlung besteht aus sechs verschiedenen Fällen, die allesamt faszinierend und mit viel Liebe fürs Detail erzählt sind. Verschwundene Personen, dubiose Politiker und mysteriöse Unternehmen – die Storylines sind clever verzahnt und versprechen spannenden Lesegenuss ohne zu überfordern. Besonders gelungen finde ich den Mix aus ernsten Themen und der leichten, fast manchmal schon verschmitzten Erzählweise. Manchmal musste ich schmunzeln, oft hielt mich die Spannung fest – eine schöne Balance, die nicht jedes Krimi-Buch so gut hinbekommt.
Das Team um Jakob sorgt für frischen Wind: Seine Schwester Rachel, die jugendliche Assistentin Lisa, Kolumnist Nicolas Gazetti mit seiner besonderen Art und natürlich der faul-charmante Kater Mister Watson machen jede Szene lebendig und authentisch. Achim Buch als Sprecher verleiht dem Ganzen übrigens noch eine extra Prise Stimmung, perfekt für alle Hörbuchfans.
Ein kleiner Kritikpunkt: Manche Zufälle in der Handlung wirkten mir ab und zu ein bisschen zu konstruiert, was den sonst sehr gelungenen Spannungsaufbau minimal stört. Aber wer auf reines Kopfkino à la Logik-Duell steht, wird ohnehin nicht der Hauptzielgruppe entsprechen.
Kurzum: Wer auf unterhaltsame Krimis mit Ecken, Kanten und einem Hauch Wiener Charme steht, wird mit „Jakob Rubinstein“ bestens bedient. Locker, spannend und mit sympathischen Charakteren – genau das richtige, wenn man Lust auf etwas anderes als 08/15-Krimi-Kost hat.
Bewertung: 4 von 5 Sternen – ein hörenswertes Erlebnis mit kleinen Schwächen, das mich definitiv gut unterhalten hat.
Klappentext
Jenseits der strahlenden Touristenattraktionen halten Wiens verwinkelte Gassen viele düstere Geheimnisse bereit, unheimliche Intrigen und gefährliche Verschwörungen. Menschen verschwinden, Politiker vertuschen peinliche Pannen, Konzerne führen inoffizielle Experimente durch. Ein Verbrechen folgt dem nächsten – doch der jüdische Privatdetektiv Jakob Rubinstein deckt sie alle auf. Wenn auch manchmal eher zufällig als mit brillanter Logik. An seiner Seite seine Schwester Rachel, seine junge Assistentin Lisa, der homosexuelle Kolumnist Nicolas Gazetti und der faule Kater Mister Watson – ein Team, das ungewöhnlicher nicht sein könnte, doch mit dem Wiener Bürgermeister Dokter Gödel ein starkes Ass im Ärmel hat. Gemeinsam schlittern sie von einer unglaublichen Ermittlung in die nächste …
Ungekürzte Lesung mit Achim Buch
10h 12min