Unsere Seite des Himmels (Ungekürzt)
Kritik
Schon die erste Szene legt einem die Figuren sanft, aber bestimmt aufs Herz — und man merkt sofort: diese Geschichte will nicht nur gelesen, sie will gefühlt werden.
Kern der Handlung ist die frühe, verbotene Liebe zwischen Henriette und Hans in Küstrin 1941, die durch politische Umstände auseinandergerissen wird. Jahrzehnte später kehrt Henriette zurück, nicht nur auf der Suche nach der Stadt ihrer Jugend, sondern vor allem nach Hans. Mehr verrate ich nicht — das Gefühl der Sehnsucht und das Gewicht der Vergangenheit bleiben der Motor der Erzählung.
Die Stärke des Buches liegt in den beiden Hauptfiguren: Henriette ist zerbrechlich und doch erstaunlich widerständig, Hans wirkt zugleich vertraut und rätselhaft. Hans Meyer zu Düttingdorf erzählt mit klarem, unaufgeregtem Ton, der trotzdem warme, sinnliche Details zulässt — Milieuschilderungen aus Küstrin sitzen, Erinnerungsfragmente funktionieren als emotionaler Klebstoff. Besonders gefallen hat mir, wie das Autorenstück zwischen Gegenwart und Erinnerungen hin- und herspringt, ohne dabei seine Tiefe zu verlieren. Ich musste oft schlucken, manchmal lächeln, und immer wieder innehalten, weil eine Szene so echt wirkte, dass sie nachklingt.
Kritisch: Gelegentlich zieht sich das Tempo in der Mitte etwas, und manche Nebenfiguren bleiben blasser, als ich es mir gewünscht hätte. Wer sehr auf Handlungstempo oder überraschende Wendungen steht, könnte hier weniger befriedigt sein. Die emotionale Kraft aber macht vieles wett.
Fazit: Eine behutsame, nachdrückliche Liebes- und Heimkehrgeschichte, die vor allem durch Stimmung und Figurenführung lebt. Ideal für Leser:innen, die historische Gefühle und fein getaktete Emotionalität schätzen — weniger geeignet, wenn Sie knallige Plots oder rasante Entwicklungen suchen.
4 von 5 Sternen