Kirmes im Kopf
Kritik
Manchmal fühlt sich das Gedankenkarussell so schnell an, dass man kaum noch mithalten kann – genau das bringt Angelina Boergers „Kirmes im Kopf“ unglaublich gut auf den Punkt. Ihr Buch nimmt dich mit auf eine Reise durch das Wirrwarr des Alltags mit AD(H)S, einer Diagnose, die noch viel zu oft missverstanden oder spät erkannt wird. Hier erzählt sie offen und ehrlich, wie sie selbst lange nicht wusste, was eigentlich los ist, bis die Diagnose endlich Klarheit schuf.
Im Zentrum stehen ihre persönlichen Erfahrungen, die eine wunderbare Mischung aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit bilden. Du bekommst einen Einblick in den Alltag, der von chaotischen Momenten geprägt ist, aber genauso von kreativen Höhenflügen und speziellen Herausforderungen – von Studienkrisen bis zu falschen Busfahrten. Boerger verknüpft dabei fundierte Infos und wissenschaftliche Erkenntnisse mit kleinen humorvollen Beobachtungen, die das Thema greifbar und menschlich machen. Die Sympathie für die Autorin wächst mit jeder Seite, denn sie nimmt sich selbst nicht zu ernst, ohne dabei die Schwierigkeiten kleinzureden.
Mir hat besonders gefallen, wie sehr das Buch alte Klischees aufbricht und zeigt, dass AD(H)S bei Erwachsenen – gerade bei Frauen – ganz anders aussieht als das zappelige Kind, das viele im Kopf haben. Die Mischung aus persönlichem Erlebnisbericht und sachlicher Aufklärung ist stimmig, die Sprache leicht verständlich und witzig, ohne oberflächlich zu wirken. Einzig manchmal hätte ich mir gewünscht, dass einige Themen noch etwas tiefer ausgearbeitet werden, gerade wenn es um Therapieansätze oder den Umgang im Alltag geht. Aber das schmälert den Gesamteindruck kaum.
Wenn du also neugierig bist, mehr über AD(H)S bei Erwachsenen zu erfahren, ohne dabei mit trockenen Fakten erschlagen zu werden, und du Lust auf ein Buch hast, das ehrlich, humorvoll und berührend zugleich ist, dann ist „Kirmes im Kopf“ definitiv eine Empfehlung wert.
4 von 5 Sternen – weil das Chaos eben auch seine charmanten Seiten hat.