Höllenfang
Kritik
Manchmal ist es genau dieses „Wie geht die Geschichte nur weiter?“-Gefühl, das ein Buch zu einem echten Page-Turner macht – und „Höllenfang“ von Tom Hillenbrand schafft das mit links. Diesmal zieht es den Luxemburger Koch Xavier Kieffer in die nebelverhangene Normandie, wo nicht nur Fisch auf der Speisekarte steht, sondern auch finstere Machenschaften lauern.
Die Story ist einfach klasse gestrickt: Ein guter Freund von Xavier eröffnet ein nachhaltiges Fischrestaurant, das – Pustekuchen – kurzerhand niederbrennt. Und plötzlich tauchen drumherum immer mehr Spuren brisanter Verstrickungen im Fischhandel auf. Hillenbrand hält die Balance zwischen kulinarischem Flair und spannendem Krimi geschickt, ohne dass der eine Aspekt den anderen erdrückt. Xavier selbst ist mal wieder der charmant-smart-trotzköpfige Typ, der mit einer ordentlichen Portion Empathie Gewürze und Geheimnisse gleichermaßen aufdeckt. Gerade seine Mischung aus bodenständiger Schnoddrigkeit und feinem Gespür macht ihn als Protagonisten so sympathisch.
Was ich besonders mochte: Die Kulisse der Normandie ist fast ein eigener Charakter, atmosphärisch dicht und lebendig, sodass man beim Lesen direkt die salzige Meeresluft riecht. Und der Einblick in die dunklen Seiten der Fischindustrie ist spannend und erschreckend zugleich – so ganz ohne moralischen Zeigefinger, aber eben mit Tiefgang. Stilistisch? Locker, elegant und mit einem Augenzwinkern, das einem das Lesen versüßt.
Kritik? Vielleicht ein kleines bisschen vorhersehbar in manchen Wendungen – da hätte der Plot etwas mehr Ecken und Kanten vertragen können. Aber hey, wir reden hier von einem Genusskrimi, kein Sherlock-Holmes-Rätsel.
Kurzum: Wer auf Chef-Krimis steht, gern ein bisschen Meeresbrise schnuppert und Lust auf einen spannenden Fall abseits der üblichen Pfade hat, ist mit „Höllenfang“ bestens bedient. Ein Buch, das so richtig Laune aufs Lesen macht.
Bewertung: 4 von 5 Sternen